Abweichung der Berep skizzieren

Hintergrund

Die Berep ist für außenstehende Beobachter nicht sichtbar. Die sichtbare resultierende Bewegung lässt als Summe vieler Faktoren aber nur bedingt Rückschlüsse auf die ursprüngliche Bewegungsplanung zu. Der direkte Partner der Bewegung kann die Berep weiter eingrenzen (siehe Bestimmung der Berep eines Partners). In größeren Gruppen ist dieser Ansatz aber zu aufwändig. Die Beschreibung mittels Worten und als graphische Skizze sind ein möglicher Kompromiss und können Schülern in Ansätzen die Ideen hinter den Bereps vermitteln.

 

Nutzen

Effekte wie das Problem des Erkennens der Berep, deren Mehrdeutigkeit oder das Problem im Training die Bewegung vollständig zu trainieren können mit Hilfe dieser Methode abgeschwächt werden.

Im folgenden Beispiel soll eine Berep konstant gehalten werden (auch bei einem auftauchenden Hindernis). Die unterschiedlichen Bereps der Schüler können einen Teil der Probleme andeuten.

 

Beispiel

Ein Arm trifft in seiner Vorwärtsbewegung auf ein festes Hindernis. Die Oberfläche des Hindernisses ist aber nicht frontal zur Bewegung ausgerichtet. Es besteht ein kleiner Winkel. Der Winkel sorgt für Querkräfte (siehe Kraftaufteilung bei Winkeln).

 

DE_Kraftaufteilung_bei_Winkeln_01

 

Schüler 1 behält die Berep „stur“ bei (Ignorieren des Hindernisses). Er baut rein durch die Vorwärtsbewegung eine Kraft gegen das Hindernis auf. Die entstehende Querkraft ist nicht Teil seiner Berep.

 

DE_Abweichung_der_Berep_skizzieren_01

 

Schüler 2 wird unbewusst die Berep anpassen. Er baut stattdessen eine dedizierte Kraft gegen das Hindernis als (neue Berep) auf. Die entstehende Querkraft ist Teil seiner Berep1Diese Anpassung ist eine Art „Standard“, wenn der eigene Körper auf Hindernisse trifft. Wichtig ist dabei, dass sowohl die inneren Einflüsse in Form von anspringenden Selbstreflexen, als auch die Berep betrachtet werden. Beide Einflüsse müssen bei einer Bewegungsentwicklung sauber getrennt werden. Das Verhalten von Schüler 1 ist idealisiert und nur mit viel Zeitaufwand erreichbar..

 

DE_Abweichung_der_Berep_skizzieren_02

 

Die Unterschiede beider Schüler sind in diesem Zustand von außen nicht sichtbar. Wenn das Hindernis (als äußerer Einfluss) aber sehr schnell verschwindet, wird der Unterschied sichtbar2“Schnell verschwinden“ steht hier äquivalent für eine Deklassierung der Wahrnehmung oder des Regelkreises. In diesem Zustand kann die Berep nicht mehr schnell genug angepasst werden. Dieser Ansatz wird in der Methode Bestimmung der Berep eines Partners ausgenutzt.. Die „wahre“ Berep verbleibt als bestimmender Faktor der resultierenden Bewegung.

Schüler 1 wird weiter seine Vorwärtsbewegung weiter ausführen. Schüler 2 wird seitwärts in Richtung des verschwundenen Hindernisses driften.

 

DE_Abweichung_der_Berep_skizzieren_03

 

Durchführung

Eine Skizzierung der Berep besteht aus mehreren Komponenten. Der erste Teil ist eine graphische Skizze mit Pfeilen für Bewegungsverläufe oder Kräfte. In diesem Teil wird die Abweichung zwischen der Berep, den äußeren Einflüssen und der resultierenden Bewegung hervorgehoben. Innere Einflüsse können abgeschätzt und später ergänzt werden.

Die resultierende Bewegung wird dazu in ihr einzelnen Teile aufgeteilt. Jeder Komponente wird eine andere Farbe zugeteilt3Die inneren Einflüsse können in der gleichen Art später dargestellt werden. Im Training genügen für einfache Skizzen die drei Komponenten resultierende Bewegung, Berep und äußere Einflüsse..

 

DE_Abweichung_der_Berep_skizzieren_04

 

Die Skizze kann verschiedene Zeitpunkte zusammenfassen (als Verlauf) oder einzelne Zeitpunkte werden herausgegriffen und im Detail dargestellt. In der folgenden Darstellung wird die Berep nicht angepasst (bspw. wegen Überlastung) und die Querkraft kann den Körper aus der Bahn führen.

 

DE_Abweichung_der_Berep_skizzieren_05

 

Wörtliche Beschreibung

Der zweite Teil ist eine wörtliche Beschreibung. Dabei kann die folgende Liste mit Wörtern helfen etwas Passendes für die jeweilige Situation auszuwählen. Dabei sollten sich die graphische Darstellung und der wörtliche Ausdruck ergänzen.

Möglichkeiten

Sperren/ Blockieren/ Auftreffen/ Aufprallen/ Verhindern/ Auflaufen

Die Berep läuft frontal auf ein Hindernis (äußerer Einfluss) auf.

Entlanglaufen / Entlangschleifen/ Führen/ Mitführen/ Ausbrechen/ Abweichen

Die Berep läuft nicht frontal auf ein Hindernis auf. Die Kräfte der Berep durch das Hindernis genügen nicht mit den entstehenden Querkräften umzugehen. Die ursprüngliche Richtung bleibt zwar erhalten, aber eine weitere Richtung wird durch die äußeren Einflüsse eingeprägt.

Überschreiben / Überbieten/ Durchsetzen/ Durchgehen/ Durchdringen/ Verdrängen

Die Berep kann trotz eines Hindernisses eine größere Kraft aufbringen und sich gegen die Gegenkraft durchsetzen. Die Beschreibung kann aber auf den Versuch beschreiben. In diesem Fall ist die erreichte Kraft geringer, aber die Berep versucht sich weiter durchzusetzen.

Weitere Begriffe:

Behindern/ Eingreifen/ Schwächen/ Verstärken/ Halten/ Umgehen/ Nachgeben / Eindrücken

 

Die Beschreibung kann jeweils aus Sicht eines Partners erfolgen. Idealweise werden beide Perspektiven beschrieben um Mehrdeutigkeiten zu verhindern.

Beispiel

Partner 1

Ich drücke vorwärts auf meinen Partner. Ich werde aufgehalten und kann nicht weiter vorwärts.

Gegenüber

Partner 2

Mein Partner drückt gegen mich. Ich halte ihn auf.

 

In vielen Fällen wechseln die Beschreibungen nur zwischen aktiv und passiv (Beispiel: ich halte auf gegenüber ich werde aufgehalten). In bestimmten Fällen sind beide Perspektiven aber verschieden. In obigem Beispiel ist nicht klar, ob das Aufhalten rein aus einem Halten der Position besteht oder einem Gegendrücken. Deswegen sind in diesen Fällen mit Mehrdeutigkeiten immer beide Beschreibungen notwendig. Andernfalls ist die Berep unbestimmt und kann auch nicht sauber unterrichtet werden.

Typische Beispiele für Mehrdeutigkeiten sind das Nachgeben oder das Aufhalten einer Kraft. Nachgeben kann von außen aus vielen möglichen Berep heraus entstehen. Das folgende Beispiel beginnt mit einer vorwärts gerichteten Berep, welche auf ein Hindernis trifft. Der darauffolgende Moment kann sehr verschieden ausfallen. Nur der erste Fall belässt die Berep gleich. Alle anderen Fälle passen die Berep an4Der Unterschied ist für Bewegungsentwicklungen wichtig. Wenn als mögliche Szenarien die Überlastung der Wahrnehmung oder des Regelkreises einbezogen wird, kann die Berep nicht angepasst werden. Nur die erste Variante (Berep bleibt gleich) darf dann als Bewegungsansatz verwendet werden. Die verbliebenen Möglichkeiten sind nicht möglich, da die angesetzte Anpassung der Berep durch die Überlastung nicht durchgeführt werden kann..

 

  1. Berep verbleibt gleich, der Partner setzt sich aber durch
    • Von außen sieht es trotzdem wie ein Nachgeben aus.
  2. Bewusstes Erhöhen der eigenen Kraft zum Halten der Position (Berep angepasst zur Verringerung der Kraft), der Partner setzt sich aber trotzdem durch.
    • Von außen sieht es trotzdem wie ein Nachgeben aus.
  3. Bewusstes Verringern der eigenen Kraft (Berep angepasst zur Verringerung der Kraft)
    • Von außen sieht es trotzdem wie ein Nachgeben aus.
  4. Einleiten einer Rückwärtsbewegung um der Kraft zu entkommen (Berep angepasst), der Kontakt zum Partner reißt nicht direkt ab, obwohl der keinen Anteil an der Rückwärtsbewegung hat.
    • Von außen sieht es trotzdem wie ein Nachgeben aus.

Fußnoten   [ + ]

1. Diese Anpassung ist eine Art „Standard“, wenn der eigene Körper auf Hindernisse trifft. Wichtig ist dabei, dass sowohl die inneren Einflüsse in Form von anspringenden Selbstreflexen, als auch die Berep betrachtet werden. Beide Einflüsse müssen bei einer Bewegungsentwicklung sauber getrennt werden. Das Verhalten von Schüler 1 ist idealisiert und nur mit viel Zeitaufwand erreichbar.
2. “Schnell verschwinden“ steht hier äquivalent für eine Deklassierung der Wahrnehmung oder des Regelkreises. In diesem Zustand kann die Berep nicht mehr schnell genug angepasst werden. Dieser Ansatz wird in der Methode Bestimmung der Berep eines Partners ausgenutzt.
3. Die inneren Einflüsse können in der gleichen Art später dargestellt werden. Im Training genügen für einfache Skizzen die drei Komponenten resultierende Bewegung, Berep und äußere Einflüsse.
4. Der Unterschied ist für Bewegungsentwicklungen wichtig. Wenn als mögliche Szenarien die Überlastung der Wahrnehmung oder des Regelkreises einbezogen wird, kann die Berep nicht angepasst werden. Nur die erste Variante (Berep bleibt gleich) darf dann als Bewegungsansatz verwendet werden. Die verbliebenen Möglichkeiten sind nicht möglich, da die angesetzte Anpassung der Berep durch die Überlastung nicht durchgeführt werden kann.

Der Artikel wurde am 12. April 2016 unter der Kategorie Methoden (in Überarbeitung) veröffentlicht.