Besser wenige Bedingungen

Den Arm vom Gegner greifen. Trivial, nicht wahr? Wer greift bei der Tür nicht zur Klinke; rennt nicht treppab und langt zum Handlauf? Der Unterschied zum Gegner: Klinke und Lauf wehren sich nicht. Sie halten still, tagein, tagaus. Der Gegner will ihre Versuche zu verhindern wissen.

 

Beispiel

  • Sie versuchen den Arm ihres Partners zu greifen.
  • Ihr Partner will es verhindern und darf sich frei bewegen.

 

Wer gewinnt? Es wird Ihnen kaum gelingen. Ausnahme: Ihr Partner bewegt sich wie eine Schnecke. Dann ist man wieder bei Klinke und Handlauf. Die Bedingung: Stillhalten.

 

Einkaufsliste für Bewegungen

Wer festhält, muss erst greifen. Wer schlägt, muss wissen wo der Gegner steht. Wer sich unter Schlägen duckt, muss vorher wissen was ihm droht. Jede Bewegung hängt an Bedingungen. Sie können gesammelt und mit dem Gegner verglichen werden. Sammeln Sie Bedingungen wie Zutaten zum Kochen. Lange Listen versprechen Köstliches. Schmackhaftes gelingt auch mit wenig Zutaten. Zumal mit weniger Zutaten weniger schiefgeht. Halten Sie in gleicher Weise ihre Bewegungen schlank. Wer weniger Bedingungen hat, wird sich tendenziell durchsetzen.

 

Wie geht man es an?

Starten Sie mit ihren Skizzen oder Mind-Maps (siehe Am Anfang war das Bild). Wählen Sie für sich und ihren Gegner genau eine Bewegung. Finden Sie ihre und die gegnerischen Schlüsselmomente. Danach suchen Sie die Bedingungen. Was muss stimmen? Was darf anders laufen? Was bringt Vor- oder Nachteile.

Seien Sie nicht zu genau bei der Einordnung. Streitpunkte und Unsicherheiten sind normal. Wählen Sie bei Bedarf Zwischenstufen oder lassen Sie Punkte aus.

 

Teilen Sie ein in folgende Punkte:

  • Wahrnehmung
    • Bekanntes oder Unbekanntes erkennen?
      • Bekanntes wird schnell erkannt.
      • Unbekanntes kostet Zeit.
      • Nichts erkennen kostet am wenigsten Zeit.
      • Schneller ist besser.
    • Die Bewegungen sind festgelegt, aber gibt es mehrere Möglichkeiten für Abläufe? Könnte ihr Gegner umwechseln auf eine andere Bewegung?
      • Eine Möglichkeit wird schnell erkannt.
      • Unterscheiden kostet Zeit.
      • Wenn es Ihnen egal ist, kostet es am wenigsten Zeit.
      • Schneller ist besser.
  • Planung: Nehmen Sie an, dass Sie die Bewegung erst wählen müssen.
    • Verlangt die Wahl viele oder wenige Informationen?
      • Viele Informationen sind schwerer zu sammeln.
      • Wenige Informationen sind leichter wahrzunehmen, aber Schlüsseldetails werden leicht übersehen.
    • Verlangt die Situation genau eine Bewegung oder erlaubt sie viele Lösungen?
      • Eine Bewegung
        • erhöht das Risiko, wenn diese schiefgeht.
        • verlangt keine Auswahl, startet damit schneller.
      • Viele Lösungen
        • erhöhen Flexibilität, etwas Passendes zu haben.
        • kosten Zeit, da Auswahl nötig.
  • Ausführung: Zeitlicher Ablauf
    • Anzahl der Sequenzteile
      • Beispiel hohe Anzahl: A, B, C, D, E
      • Beispiel geringe Anzahl: A, B
      • Geringe Anzahl besser
    • Sequenz exakt oder variabel
      • Beispiel exakt: A, dann B, dann C
      • Beispiel variabel: A, dann B oder C
      • Exakt schwerer zu erfüllen als variabel
    • Geschwindigkeit/ Kraft exakt oder variabel
      • Beispiel exakt: hoch, dann niedrig, dann hoch
      • Beispiel variabel: niedrig, dann egal
      • Exakt schwerer zu erfüllen als variabel
  • Ausführung: Position im Raum
    • Ausrichtung und Ort exakt oder variabel?
      • Beispiel exakt: Handgelenk greifen
      • Beispiel variabel: Handgelenk oder Unterarm oder Oberarm greifen
      • Exakt schwerer zu erfüllen als variabel

 

Strukturieren Sie ihre Einschätzungen:

  • Erstellen Sie eine Tabelle mit zwei Spalten: Eigene Bewegung – Bewegung Gegner
  • Stellen Sie ihre und die gegnerische Bewegung gegenüber.
  • Ergänzen Sie eigene Überlegungen.
  • Wo liegen Sie besser als ihr Gegner? Wo hat er Vorteile?

 

Beginnen Sie mit Gedankenspielen zur Ausführung. Was passiert, wenn einer der folgenden Punkte nicht passt?

 

  • Sequenz, Geschwindigkeit, Kraft, Ausrichtung und Ort

 

Gelingt ihre Bewegung noch oder nur zum Teil? Ist ein völliger Fehlschlag möglich? Wiederholen Sie die Betrachtung, falls mehrere Abläufe möglich sind (siehe bspw. Was wäre, wenn?).

 

Wie wäre es gut?

Finden Sie einen Ausgleich zwischen Bedingungen und Zielen. Fordernde Ziele verlangen fordernde Bedingungen. Einfache Ziele sind mit weniger zufrieden. Schlanke Bewegungen zeichnen sich durch wenige Bedingungen aus. Es gilt: Vermeiden Sie Bedingungen, wenn keine Not herrscht. Vor allem, wenn der Gegner weniger Bedingungen hat.

 

Wie geht es weiter?

Es mag hier viele Wenn’s und Aber geben. Stellen Sie die Listen zusammen. Sie werden sehen: Wer weniger Bedingungen hat, wird mehr erreichen.

An dieser Stelle endet der Einstieg. Ab jetzt entscheiden Sie. Tasten Sie sich in die Gebiete Wissen, Vorgehen und Methoden hinein. Lesen Sie, was sie interessiert. Probieren Sie Methoden, welche vielversprechend wirken.

Der Artikel wurde am 4. Juni 2017 unter der Kategorie Methoden veröffentlicht.