Bestimmung der Berep eines Partners

Hintergrund

Die Bewegungsrepräsentation (Abk. Berep) ist das „Herzstück“ einer Bewegung. Sie fasst die Ziele und verfügbaren Informationen zusammen um daraus eine geplante Bewegung zu formen. Zusammen mit den äußeren Einflüssen (z.B. Kraft eines Gegners) und den inneren Einflüssen (z.B. Eigenreflex) ergibt sich die resultierende Bewegung.

 

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Die Berep ist von außen für einen Beobachter nicht sichtbar (siehe Problem des Erkennens der vollständigen Berep und der Mehrdeutigkeit). Weiterhin können Schüler Probleme haben die eigene Bewegung zu erfassen und zu beschreiben (Problem des Trainings der vollständigen Berep)1Es scheint unverständlich, warum man seine eigene Bewegung / Berep nicht kennen sollte. Es lässt sich aber mit Hilfe von Belastungstests und Stress zeigen, dass unbewusst zwischen verschiedenen Bereps gewechselt wird. Es genügt meist schon der Wechsel des Aufmerksamkeitspunktes und die Berep verändert sich..

Die Schlüsselrolle der Berep bei der Bewegungsausführung verlangt aber eine genaue Kontrolle durch einen Lehrer. Andernfalls verhindern diverse Effekte das Erreichen von gesetzten Zielen einer Bewegung.

 

Typische Effekte sind:

  • Generelle Fehlauslegung:
    • Beispiel: Ein Arm erreicht nicht schnell genug einen Zielpunkt oder schafft es nicht sich durchzusetzen gegen eine gegnerische Kraft.
  • Überoptimierung:
    • Dabei wird eine Bewegung zu stark auf einen möglichen Ablauf ausgelegt. Weitere parallele Abläufe im Überlastungsfall können nicht verarbeitet werden.
  • Unvollständiges Training:
    • Die vorgestellte Berep wurde zwar verstanden, aber ein Schüler schafft es nicht die Bewegung umzusetzen.

 

 

Bestimmung der Berep

Die Berep ist zusammen mit den äußeren und inneren Einflüssen in die resultierende Bewegung eingebettet. Dadurch gibt es insgesamt vier zu betrachtende Teile2Es ist noch etwas komplexer als hier dargestellt. Für eine genaue Betrachtung müssen die jeweiligen Komponenten beider teilnehmender Partner betrachtet werden. Die inneren Einflüsse und die Berep von Partner 1 wirken auf Partner 2 als äußere Einflüsse und umgekehrt. Weiterhin sind die äußeren Einflüsse nicht nur der Partner, sondern auch der Umgebung zu betrachten. Nicht immer ist die Umgebung statisch oder bekannt (Bsp. Turnhalle gegenüber Wiese). Für einfache Abschätzungen im Training genügt die vorgestellte Betrachtung mit der Konzentration auf einen Partner..

 

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Es stellen sich also die Fragen: Welche der Komponenten sind bekannt oder können kontrolliert werden3Der Ablauf kann wie ein mathematisches Gleichungssystem verstanden werden. Allerding ist diese Vorgehensweise nicht annähernd so genau wie in der Mathematik. Die hohe Komplexität kann dieses Modell nicht erfassen. Es hilft aber sehr gut grundlegende Abschätzungen vorzunehmen.? Können mit diesem Wissen die verbliebenen Anteile abgeschätzt werden?

Die resultierende Bewegung kann von außen direkt beobachtet werden. Die genauen Kräfte sind für Außenstehende nicht sichtbar. Als Teilnehmer kann man aber seine Kräfte (als externer Einfluss) versuchen zu kontrollieren. Damit reduzieren sich die Unbekannten auf die Berep und die inneren Einflüsse.

 

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Weiterhin kann der Effekt der Überlastung durch eine zu hohe Ablaufgeschwindigkeit ausgenutzt werden. In diesem Überlastungsbereich kann der Partner seine Berep nicht mehr bewusst verändern, da der Regelkreis überfordert ist und nur die bestehende geplante Bewegung ausführen kann. Die Bewegung wird also ohne Anpassungen zwanghaft „durchgezogen“.

 

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Mit Hilfe dieser Eigenschaft kann die Berep weiter eingegrenzt werden. Dazu wird der Partner mit diesem Ansatz immer in die Überlastung gedrängt, damit er seine Berep nicht mehr anpassen kann. Die Berep wird dadurch in der Betrachtung eine Konstante.

 

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Die Berep ist zwar mit dem Ansatz der Überlastung konstant, aber ihre Elemente sind noch unbekannt. Als weitere Eingrenzung können mögliche Ablaufszenarien hinzugefügt werden (Überlastung mit parallelen Abläufen). Die Szenarien variieren damit die äußeren Einflüsse in einem bekannten Rahmen. Sobald die Berep auf die nicht unterscheidbaren Szenarien trifft, ergibt sich immer eine andere resultierende Bewegung.

 

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In den konstruierten Szenarien können dann die wirkenden Kräfte variiert werden (vergrößern, Richtung wechseln, Gegenkräfte vollständig entfernen, …). Die dabei wahrgenommenen Elemente der resultierenden Bewegung lassen Rückschlüsse auf die Elemente der Berep und inneren Einflüsse zu. In der folgenden Darstellung wird der Zusammenhang für ein Szenario vorgestellt.

 

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Die verbliebene Kombination aus Berep und inneren Einflüssen kann mit Hilfe von Hintergrundwissen weiter zerlegt und abgeschätzt werden4Die zwei Einflüsse sind die Stärke des Reglers (aggressiv oder schwach) und anspringende Eigenreflexe (abhängig von der Ablaufgeschwindigkeit)..

 

Durchführung

Für die Bestimmung der Berep kann auf verschiedene Methoden zurückgegriffen werden. Die Vorgehensweise ist gekürzt auf die reine Bestimmung der Berep.

Definition und Dokumentation der Bewegung

Im ersten Schritt wird die Bewegung definiert, welche das eigentliche Trainingsziel darstellt. Dabei können die folgenden Methoden helfen:

 

 

Varianten festlegen

Im nächsten Schritt wird die Bewegung analysiert. Dazu werden Überlastungsfälle konstruiert und als Varianten definiert und dokumentiert.

 

 

Typische Varianten sind:

  • Kräfte der Hauptbewegung verringern oder erhöhen
  • Querkräfte auf die Hauptbewegung einbringen
  • Abstände verändern
  • Zeitliche Abläufe etwas beschleunigen oder verlangsamen

 

Belastungstests durchführen

Die erzeugten Varianten werden als Grundlage für Belastungstests eingesetzt. Die Hauptvariante wird dazu durch eine hohe Ablaufgeschwindigkeit in die Überlastung getrieben. Während des Ablaufs wird dann unangekündigt eine Variante ausgeführt, statt der Hauptvariante. Die Bewegung des Partners trifft dann auf den parallelen Ablauf und es ergibt sich eine neue resultierende Bewegung. Dieser Ablauf wird mit vielen Varianten durchgeführt, damit sich viele verschiedene resultierende Bewegungen ergeben.

 

 

Resultierende Bewegungen auswerten

Die vielen resultierenden Bewegungen können gegenübergestellt werden. Die folgende Frage ist dann: Welche Elemente müssen in der unterlagerten Berep vorkommen, sodass all diese Bewegungen entstehen können?

Beispiel 1

Hauptvariante

  • Gerade Vorwärtsbewegung des Armes

Variante

  • Einbringen einer unbekannten Querkraft auf einen Arm

Resultierende Bewegung

  • Arm wird abgelenkt
  • Resultierende Bewegung entspricht nicht der Hauptvariante

Rückschluss auf Berep

  • Kraft des Armes zu gering ausgelegt, um Querkraft zu kontern

 

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Beispiel 2

Hauptvariante

  • Gerade Vorwärtsbewegung des Armes
  • Antizipierte Querkräfte des Gegners sollen Arm von gewollter Bewegung ablenken
  • Kompensation der Querkraft mit Gegenkraft als festes Element der Berep

Variante

  • Für Partner bekannte definierte Querkraft entgegen der Hauptbewegung wird nicht eingebracht

Resultierende Bewegung

  • Arm verlässt Vorwärtsbewegung und geht daneben.

Rückschluss auf Berep

  • Berep zu stark auf Querkräfte fixiert
  • Dediziertes zu starkes Element in der Berep für Querkraft definiert.
  • Fehlende Querkräfte lassen Arm von eigentlicher Vorwärtsbewegung abweichen.
  • Abweichung entspricht äquivalent den vermuteten Querkräften5Eine andere Art der Kompensation derartiger Störungen basiert auf der allgemeinen Erhöhung der Körperspannung (Verspannung der Muskeln) gegeneinander. Auftreffende Querkräfte müssen dann nicht antizipiert und fest als Element in eine Berep eingebaut werden. Es ergeben sich dann aber wieder andere Nachteile..

 

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Die bestimmten Elemente werden dann wieder in die obige Dokumentation aufgenommen. Die Ergebnisse können dann für eine Bewegungsentwicklung genutzt werden. In den obigen zwei Beispielen kann das Ergebnis bedeuten, dass die Berep systematisch verändert werden muss um gleichzeitig in allen Szenarien gesetzte Ziele zu erreichen.

 

Probleme bei der Durchführung

Kontante Berep

Es ist schwierig über einen längeren Zeitraum die eigene Berep konstant zu halten. Die Belastungstests mit Varianten führen oftmals zu vielen Fehlschlägen der eigenen Bewegung. Dadurch kann es vorkommen, dass unbewusst die eigene Berep angepasst wird. Die Anpassungen können sehr gering sein (kleiner Seitwärtsschritt, statt nur eines Vorwärtsschritts). Die Dokumentation der eigenen Bewegung ist deswegen sehr wichtig. Anpassungen fallen dann schneller auf.

Diese teilweise subtilen Anpassungen können am Ende die Leistungsfähigkeit einer Bewegung stark beeinflussen. Wenn diese Anpassungen unbewusst durchgeführt werden, kann der Einfluss nicht erkannt werden. In diesem unbewussten Ablauf können diese entscheidenden Elemente einer Bewegung nicht erkannt und später unterrichtet werden6Das obige Beispiel einer Änderung des Schrittes hat viele Auswirkungen. Sie können nur für einen Aspekt der Kraft kurz angedeutet werden. Die Kräfte der Bewegung unterscheiden sich zwischen einem Vorwärts- oder Seitwärtsschritt. Ein reiner Vorwärtsschritt kann die Kraft eines vorwärts gerichteten Schlages direkt unterstützen (Überlagerung der Vorwärtsbewegung). Ein Seitwärtsschritt überlagert zwar auch eine Bewegung, aber eben nicht in der gleichen Richtung wie ein Vorwärtsschlag. Dadurch ändern sich die wirkenden Kräfte..

Überlagerung der Regelbereiche

Ein weiteres Problem entsteht durch die mögliche Vermischung von Überlastungsbereichen und dem Übergangsbereich. Nur im Überlastbereich wird die Bewegung ohne Anpassung „durchgezogen“. Diese Randbedingung muss erfüllt sein, andernfalls können die Element der Berep nicht isoliert werden.

Bei dem obigen zweiten Beispiel kann es passieren, dass der Arm in der Vorwärtsbewegung erst abweicht und dann in einer Bogenform wieder auf die Gerade zurückkehrt. Dieser Effekt kann bedeuten, dass zuerst eine Überlastung stattgefunden hat. Der Arm weicht in diesem ersten Moment von der geraden Bahn ab. Das Zurückkehren bedeutet, dass die Abweichung wahrgenommen wurde und eine Gegenbewegung eingesetzt hat. Das spricht bei der Korrektur eher für ein Stattfinden im Übergangsbereich oder im normalen, nicht überlasteten Regelbereich.

 

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In einer zeitlichen Darstellung der Armbewegung verlässt der Arm zu Anfang den Weg einer Gerade und kehrt dann als Bogen wieder zur Geraden zurück.

 

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Dieses Problem ergibt sich daraus, dass Überlastungen selten sehr lange dauern. Es sind immer nur kurze Momente. Dadurch kann es schwierig sein die Belastungstests so auszulegen, dass immer eine Überlastung stattfindet. Nur die Spitzen in der folgenden Darstellung stellen Überlastungen dar (Arbeitspunkt als Pfeil rechts außerhalb Arbeitsbereich der Übertragungsfunktion). In allen anderen Bereichen kann sehr gut ausreichend die Bewegung geregelt werden (also mit Anpassung der Berep).

 

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Fußnoten   [ + ]

1. Es scheint unverständlich, warum man seine eigene Bewegung / Berep nicht kennen sollte. Es lässt sich aber mit Hilfe von Belastungstests und Stress zeigen, dass unbewusst zwischen verschiedenen Bereps gewechselt wird. Es genügt meist schon der Wechsel des Aufmerksamkeitspunktes und die Berep verändert sich.
2. Es ist noch etwas komplexer als hier dargestellt. Für eine genaue Betrachtung müssen die jeweiligen Komponenten beider teilnehmender Partner betrachtet werden. Die inneren Einflüsse und die Berep von Partner 1 wirken auf Partner 2 als äußere Einflüsse und umgekehrt. Weiterhin sind die äußeren Einflüsse nicht nur der Partner, sondern auch der Umgebung zu betrachten. Nicht immer ist die Umgebung statisch oder bekannt (Bsp. Turnhalle gegenüber Wiese). Für einfache Abschätzungen im Training genügt die vorgestellte Betrachtung mit der Konzentration auf einen Partner.
3. Der Ablauf kann wie ein mathematisches Gleichungssystem verstanden werden. Allerding ist diese Vorgehensweise nicht annähernd so genau wie in der Mathematik. Die hohe Komplexität kann dieses Modell nicht erfassen. Es hilft aber sehr gut grundlegende Abschätzungen vorzunehmen.
4. Die zwei Einflüsse sind die Stärke des Reglers (aggressiv oder schwach) und anspringende Eigenreflexe (abhängig von der Ablaufgeschwindigkeit).
5. Eine andere Art der Kompensation derartiger Störungen basiert auf der allgemeinen Erhöhung der Körperspannung (Verspannung der Muskeln) gegeneinander. Auftreffende Querkräfte müssen dann nicht antizipiert und fest als Element in eine Berep eingebaut werden. Es ergeben sich dann aber wieder andere Nachteile.
6. Das obige Beispiel einer Änderung des Schrittes hat viele Auswirkungen. Sie können nur für einen Aspekt der Kraft kurz angedeutet werden. Die Kräfte der Bewegung unterscheiden sich zwischen einem Vorwärts- oder Seitwärtsschritt. Ein reiner Vorwärtsschritt kann die Kraft eines vorwärts gerichteten Schlages direkt unterstützen (Überlagerung der Vorwärtsbewegung). Ein Seitwärtsschritt überlagert zwar auch eine Bewegung, aber eben nicht in der gleichen Richtung wie ein Vorwärtsschlag. Dadurch ändern sich die wirkenden Kräfte.

Der Artikel wurde am 21. März 2016 unter der Kategorie Methoden (in Überarbeitung) veröffentlicht.