Bestimmung der Regelkreiselemente

Hintergrund

Der Regelkreis und dessen Elemente bestimmen in ihrer Zusammensetzung in welcher Art und Weise man als Mensch agiert und reagiert. Wenn man es schafft die Elemente in ausreichender Form abzuschätzen, kann es helfen eigene Reaktionen besser zu verstehen. Warum reagiert man zu langsam? Warum schlägt man daneben? Warum reagiert man überhaupt nicht? Jedes Element im Regelkreis trägt zur Beantwortung dieser Fragen bei. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle und es lässt sich selten „das eine Element“ finden, welches für ein Verhalten verantwortlich ist. Meistens tragen viele Elemente zu einem Ablauf bei und ergeben in Summe ein bestimmtes Verhalten.

Mit Hilfe dieser Methode versucht man die Regelkreiselemente und deren Zustand abzuschätzen. Andere Methoden können dann helfen bei obigen Fragestellen (z.B. Warum bin ich zu langsam?) Lösungen zu erarbeiten. In bestimmten Fällen hilft es zu erkennen, dass der Bewegungsaufbau keinen gesicherten Ansatz bietet um die gesetzten Ziele zu erfüllen.

Ein weiterer wichtiger Effekt einer derartigen Abschätzung ist das Auffinden von grundlegenden Denkfehlern in Bewegungen. Allzu oft werden Informationen als vorhanden angesehen, auch wenn diese im späteren Kampf nicht auftauchen. Wer mit dieser Methode arbeitet, ist gezwungen genau zu bestimmen, warum sich ein Element in einem Zustand befindet. Wer an dieser Stelle bspw. angibt: „Information vorhanden“, muss sich erklären. Warum ist das so? Woher kommt diese Annahme? Hat man diese Information im Kampf wirklich? Vielleicht erst später als angedacht?

 

Durchführung

Als Grundlage wird die dokumentierte Bewegung verwendet (z.B. Mind-Map). Dabei sollte die Bewegung an ca. zwei bis vier Zeitpunkten betrachtet werden. Das Ziel besteht darin die Elemente des Regelkreises und deren Zustand und Änderung zu verfolgen. Es gilt zu verstehen wie der Regelkreis mit der verfügbaren Information umgeht und wie es letztlich zu einer Bewegungsauswahl kommt. Die Wahl der Zeitpunkte kann deswegen bis zu einem gewissen Grad beliebig erfolgen. Wer ausreichend Erfahrung hat, wird an dieser Stelle gezielt Zeitpunkte herausgreifen um auf Probleme hinzuweisen. Folgend werden beispielhaft verschiedene Zeitpunkte herausgegriffen.

Anfangszustand

Dieser Zeitpunkt sollte betrachtet werden, um den Anfangszustand des eigenen Körpers einzuordnen. Befindet man sich in Ruhe oder läuft noch eine andere Bewegung ab? Diese Einschätzung bestimmt beträchtlich, in welchem Zustand sich der Regelkreis befindet und ob Anpassungen möglich sind.

Informationsverarbeitung

Dieser Zeitpunkt legt den Fokus auf die verfügbaren Informationen. Was ist verfügbar? Was kann verarbeitet werden? Was bildet später die Grundlage für eine Bewegungsauswahl? Der Zeitpunkt ist sehr interessant, weil man sich in den verfügbaren Informationen oftmals täuscht. Bei späteren Belastungstests zeigt sich dann eine falsche Bewegungsplanung, welche genau an dieser Stelle ihren Ursprung nimmt.

Bewegungsplanung

An dieser Stelle wird die Bewegungsrepräsentation (Abk. Berep) zusammengestellt. Hier werden alle Ziele mit den verfügbaren Informationen abgestimmt und die Bewegung ausgewählt.

Resultierende Bewegung

Die resultierende Bewegung ergibt sich aus der Summe der Berep und allen inneren und äußeren Einflüssen. Der Anteil des Regelkreises wird an dieser Stelle eingetragen. Zusätzlich können die Einflüsse als Störungen auf die Strecke (z.B. der Arm) eingetragen werden.

Schema

Als Grundlage bietet sich folgendes Schema an. Dabei wird der Zustand des Elements abgeschätzt und eingetragen. Wenn man sich unsicher ist, lässt man es frei und versucht andere Elemente abzuschätzen. Es ist nicht wichtig, das Schema vollständig auszufüllen. Es geht darum sich der Abläufe und deren Einfluss bewusst zu werden.

Der erweiterte Regelkreis wird dabei als Gedankenstütze in die Mitte gesetzt und verkleinert. Die Elemente werden als Blöcke darum angeordnet und deren Zustand eingetragen.

 

DE_Bestimmung_der_Regelkreiselemente_01

 

Wenn sehr viele Elemente leer bleiben, kann das ein Zeichen sein, dass der Ablauf unklar ist. In diesem Fall sollten zuerst Ziele und Elemente genauer bestimmt werden. Die Methode kann aber auch umgekehrt dazu genutzt werden auf bestimmte Zustände des Regelkreises gezielt hinzuweisen. In diesem Fall wird das Schema gekürzt und nur das wichtige Element hervorgehoben.

Durchführung für den Gegner

Bei der Betrachtung des eigenen Regelkreises hat man Zugriff auf quasi alle Informationen. Man kennt die eigenen Ziele und weiß, wie und warum man die eigenen Elemente in einer bestimmten Form ausgewählt hat. Die Elemente des Regelkreises des Gegners können nicht direkt in der gleichen Form abgeschätzt werden. Es steht nur der Weg über Fallbetrachtungen offen.

Diese Abschätzung ist bedeutend aufwändiger. Viele von außen sichtbare Effekte können direkt bestimmten Regelkreiselementen zugeordnet werden. Bei vielen Effekten können aber auch im Gegenteil mehrere Elemente verantwortlich sein oder noch schlimmer, eine Kombination aus mehreren Elementen (Beispiel: nervös wirkende Bewegungen mit vielen Fehlentscheidungen deuten auf einen zu aggressiv eingestellten Regler mit Informationsarmut hin).

Die Herangehensweise für diese Abschätzungen wird in einer anderen Methode Bestimmung der Regelkreiselemente des Gegners vorgestellt.

Der Artikel wurde am 3. Oktober 2015 unter der Kategorie Methoden (in Überarbeitung) veröffentlicht.