Bewegungsraum abschätzen

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Freiheit in der Seifenblase

Ihr Sitznachbar blockiert im Flugzeug die Armlehne. Im Kampf ist es ähnlich. Der Gegner greift ihren Arm, verhindert ihre Flucht und beschneidet ihre Freiheit. Der Bewegungsraum beschreibt diese Freiheit und ähnelt einer Seifenblase. Sie blasen ihn auf und ihr Gegner drückt Dellen hinein.

Die Methode dient der Untersuchung von Bewegungen, Informationsbeschaffung und der Dokumentation. Sie beschreibt den Bewegungsraum, also: Wohin können Sie sich bewegen? Wo werden Sie gestoppt?

Achtung! Sie erfassen den Bewegungsraum nie im Ganzen. Kein Diagramm vollbringt diese Leistung. Der erstellte Raum bietet eine Übersicht und hebt ihre Möglichkeiten und Grenzen hervor.

Sie können diese Methode immer nutzen, wenn Sie Wege aus vertrackten Situationen suchen. Sei es zum Absichern eines Griffs oder zur Befreiung: Wer genauer hinsieht, erkennt versteckte Ansätze.

Beispiel eines Bewegungsraums

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Wie geht man vor?

  • Frieren Sie das Geschehen für einen Moment ein.
  • Suchen Sie einen lohnenden Punkt an einem Körperteil.
    • Beispiel: Gegner greift Handgelenk, also wird der Griff betrachtet.
  • Untersuchen Sie diesen Punkt auf dessen Beweglichkeit.
    • Geradlinige Bewegung: vorwärts/ rückwärts, links/ rechts, oben/ unten
    • Drehende Bewegung: links oder rechts herum
  • Unterscheiden Sie zwischen frei bewegen oder blockiert.
    • Frei bewegen.
      • Es gibt keinen Widerstand mit dem Gegner oder der Umwelt.
      • Jede Richtung ist für eine Bewegung möglich.
    • Blockiert, aber Chance zum Überwinden
      • Es gibt Widerstand, aber Sie müssen den Widerstand mit Kraft überwinden.
    • Blockiert, keine Chance zum Überwinden.
      • Es gibt Widerstand und Sie bringen nicht ausreichend Kraft auf, um den Widerstand zu überwinden.
  • Unterscheiden Sie zwischen teilweise oder voll blockieren.
    • Beispiel: Der Fuß zum Boden ist teilweise blockiert. Ihr Fuß kann nicht in den Boden „eindringen“, aber angehoben werden. Er ist also teilweise blockiert.
  • Wählen sie den nächsten Punkt und wiederholen Sie den Ablauf.
    • Meistens lohnt das nächste Gelenk zum jeweils letzten Punkt.
    • Drehen Sie. Schieben Sie. Überlegen Sie, wo Freiheiten bestehen.
  • Wiederholden Sie den Ablauf, bis Sie genug über den Bewegungsraum erfahren haben.
    • Denken Sie an sich und an ihren Gegner.
  • Die Checkliste: Bewegungsraum abschätzen hilft bei dem Ablauf mit Stichwörtern.
  • Skizzieren sie gedanklich den Bewegungsraum auf.
    • Stellen Sie sich den Raum wie eine Blase vor, mit Löchern und Dellen.
    • Wohin können Sie sich bewegen? Wo werden Sie gestoppt?
  • Alternativ: Zeichnen Sie einen vereinfachten Bewegungsraum.
    • Starten Sie mit einer Körperskizze.
    • Markieren Sie von außen blockierte Punkte mit Hilfe eines Kreuzes.
    • Ordnen Sie jedem Körperteil einen Kreis zu.
    • Überlegen Sie, wie stark sich je Arm, Bein usw. bewegen können.
    • Voller Kreis heißt: Körperteil voll beweglich.
    • Verzerrter Kreis zur Ellipse: Körperteil eingeschränkt.
    • Nur noch ein Strich: Körperteil völlig blockiert.

 

Beispiel Handgelenk blockiert:

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Was ist das Ergebnis?

Sie erhalten eine Übersicht für Freiheiten, bei sich und beim Gegner.

Typische Fehler

Lassen Sie Ursachen außen vor. Wer wen greift oder blockiert, spielt keine Rolle. Wer blockiert, blockiert auch sich selbst. Betrachten Sie deswegen alles neutral: Wo sind Freiheiten? Wo geht es nicht weiter?

Wie geht es weiter?

Untersuchen Sie die Grenzen ihres Bewegungsraums. Wo sind Sie eingeschränkt? Lassen sich Grenzen verschieben?

Der Artikel wurde am 13. Dezember 2017 unter der Kategorie Dokumentieren, Informationen beschaffen, Lösungen untersuchen, Methoden, Situation untersuchen veröffentlicht.