Bewertung mit Hilfe von Bewegungsidealen

Hintergrund

Die Bewertung von Bewegungen erfordert den Abgleich der Anforderungen mit den gewählten Bewegungselementen. Dieser Abgleich ist zeitaufwändig und bei unklaren Anforderungen nur schwer zu leisten.

Zur Vereinfachung kann mit „Bewegungsidealen“ gearbeitet werden. Dabei wird ein „perfektes“ Bewegungsideal zur Bewertung einer Bewegung herangezogen. Es besteht aus einer Zusammenstellung von Bewegungselementen. Wenn die Bewegung dem Ideal entspricht, ist die Bewegung gut. Weicht die Bewegung davon ab, ist sie schlecht. Dieser Ansatz wird vor allem beim Unterrichten von Bewegungen an Schülern gewählt.

 

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Beispiel

  • Ein Lehrer zeigt eine Bewegung. Er hat dabei ein Bewegungsideal im Kopf, welches der Schüler erreichen soll.
  • Ein Schüler nimmt gezeigte Bewegung wahr und wiederholt die Bewegung.
  • Der Lehrer nimmt die Bewegung des Schülers wahr und vergleicht diese mit seinem Bewegungsideal.
  • Jede Abweichung des Schülers vom Ideal wird als schlecht bewertet und als Rückmeldung an den Schüler gegeben.
  • So versucht der Lehrer den Schüler Schritt für Schritt an das Ideal heranzuführen.

 

Abgleich der Anforderungen

Bei dieser Herangehensweise wird vorausgesetzt, dass das grundlegende Bewegungsideal die Anforderungen an die Bewegungen erfüllt. Ein Abgleich des Ideals mit den Anforderungen der Bewegung findet nicht statt.

 

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Diese Art des Vergleichs einer Bewegung mit einem definierten Ideal ist ein heuristischer Prozess. Er spart Zeit und Energie bei der Bewertung von Bewegungen. Im Training ist dieser Ansatz unverzichtbar. Die gedankliche Ebene der Bewegungsansätze oder ein „Aufdröseln“ der verwendeten Mittel ist sehr aufwändig. Statt einer vollen Auseinandersetzung mit der Bewegung wird nur schnell das Ideal verglichen.

Der Nachteil ist die Gefahr unvollständige oder fehlerhafte Bewegungen weiterzugeben. Das Bewegungsideal steht bei einer Bewegungsentwicklung am Ende eines langen Prozesses der Abstimmung der Anforderungen und der Entwicklung der Bewegung. Der Startpunkt einer Überlegung, ein gut ausgelegtes Ideal, wird nicht mehr in Frage gestellt. Schleichen sich Fehler ein, wird eine unvollständige Bewegung weitergegeben.

Es gilt einen Ausgleich zu finden. Ist das Risiko einer Weitergabe von fehlerhaften Bewegungen mit dem reinen Vergleich des Ideals beherrschbar? Ist die Diskussion einer Bewegung mit ihren Anforderungen und dem Weg des Bewegungsentwurfs zu aufwändig? Es gilt abzuwägen, ob der Nachteil eines Fehlurteils beherrschbar ist.

 

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Bewahrung gegenüber Erneuerung

Ein weiterer Aspekt ist der notwendige Ausgleich zwischen der Bewahrung und der Erneuerung von Bewegungen. Die reine Weitergaben von Bewegungen auf Basis eines Bewegungsideals verhindert nicht durchdachte Anpassungen, welche die Leistungsfähigkeit einer Bewegung stark schwächen können.

Dazu steht im Gegensatz die notwendige Erneuerung von Bewegungen, wenn Anforderungen sich ändern oder Fehler in der ursprünglichen Auslegung die Leistungsfähigkeit einschränken. Die Risiken unbekannte Anforderungen nicht zu erfüllen ist in beiden Richtungen gleich groß.

Wieder gilt es einen Ausgleich zwischen beiden Ansätzen zu finden. Der Einsatz eines Bewegungsideal steht dabei stärker auf der Seite der Bewahrung.

 

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Durchführung

Die Durchführung verläuft als schrittweiser Abgleich zwischen dem Soll, dem Bewegungsideal, und dem Ist, der wahrgenommenen Bewegung.

 

  • Definition des Bewegungsideals (z.B. auf Basis einer Bewegungsentwicklung)
  • Klare Herausarbeitung der notwendigen Bewegungselemente und erlaubten Abweichungen
  • Dokumentation des Ideals
  • Vergleich des Ideals mit wahrgenommenen Bewegungen
  • Feststellung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden

Der Artikel wurde am 17. Juli 2016 unter der Kategorie Methoden (in Überarbeitung) veröffentlicht.