Diskussion der Regelkreiselemente

Hintergrund

Im Artikel Bandbreite der Regelkreiselemente lag der Schwerpunkt auf der reinen Vorstellung der Elemente und deren Bandbreite. Allerdings beeinflusst jedes Element mit seiner Arbeitsweise den Regelkreis. Die Arbeitsweise der Elemente zu verstehen bedeutet also zu verstehen, wie sich dadurch der Regelkreis insgesamt verhält. Wenn z.B. einzelne Elemente nicht ausreichend Informationen liefern, kann die Handlungsplanung fehlschlagen oder man hängt bei dem Versuch einer gegnerischen Bewegung zu folgen hinterher; die typischen Überlastungserscheinungen tauchen auf.

Mit diesem Wissen können dann Bewegungen analysiert und verändert werden. An dieser Stelle entsteht die Verknüpfung zu den Überlastungseffekten. Diese Effekte zeigen sich immer durch ganz spezifische Vorkommnisse bei Bewegungen (z.B. Danebenschlagen). Jeder dieser Effekte kann auf spezifische Einstellungen im Regelkreis zurückgeführt werden. Den Effekt zu erkennen ermöglicht die Einstellungen der unterlagerten Elemente abzuschätzen. Dann kann versucht werden die negativen Effekte von Überlastungen abzubauen. Dieser gedankliche Ablauf wird im folgenden Ablaufdiagramm angedeutet.

 

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Bündelung der Effekte

Viele wahrnehmbare Effekte können verschiedene Ursachen haben. Das bedeutet, dass ein beobachteter Effekt nicht immer genau auf eine einzelne Einstellung des Regelkreises zurückgeführt werden kann.

In der folgenden Abbildung wird die Überlastungserscheinung eines Danebenschlagens möglichen Ursachen zugeordnet. Dabei können eine Vielzahl an Elementen zu dem endgültigen Effekt des Danebenschlagens beitragen.

 

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Bei dieser Betrachtung zeigt sich schnell, dass eine derartige Detaillierung auf der Ebene der Elemente sehr komplex ist. Diese Ebene ist zwar notwendig, aber zum Vergleich der Einflüsse der Elemente nicht geeignet. Stattdessen bieten sich andere Methoden und Ansätze zum Vergleich an.

Ein erstes Beispiel ist die Übertragungsfunktion. Sie fasst alle Einflüsse im Regelkreis zusammen und stellt die Grenze zur Überlastung dar. Bei einer Anpassung eines einzelnen Elementes wird sich dann die Grenze verschieben und die Überlastung früher oder später auftreten1Dabei handelt es sich immer um rein qualitative Einschätzungen, welche in Belastungstests überprüft werden müssen..Die Einflüsse des Elements werden dann mit Hilfe einer Fallunterscheidung verglichen.

 

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Der zweite Teil der Übertragungsfunktion ist die Verschiebung der Bewegung zur gegnerischen Bewegung, kurz als Phase bezeichnet. Sobald die eigene Bewegung zur gegnerischen Bewegung hinterherhängt, wird diese Größe anwachsen. Der umgekehrte Fall eines „Davorsetzens“ kann genauso auftreten. Auch hier verschiebt sich die Grenze je nach Anpassung des Elements.

In der folgenden Abbildung sinkt die Phase ab vom „idealen“ Folgen hin zu einem starken Nachhängen. Je nach Anpassung eines Elements verschiebt sich wieder die Grenze.

 

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Die Kurven der dargestellten Funktionen können dabei noch andere Verläufe einnehmen. Es kommt immer darauf an, wie die Elemente im ganzen Regelkreis zusammenspielen. Meistens genügen diese Betrachtungen immer noch nicht. Mit Hilfe von Zeitverläufen oder Fallbetrachtungen gegnerischer Bewegungen wird erst klar, welchen vollen Einfluss ein Element hat.

Der Fokus der Diskussion der Elemente liegt darauf die Überlastungserscheinungen identifizieren zu können. Nur diese bieten in ihrer Art einen Einblick in die inneren Abläufe des Regelkreises und erlauben eine Abschätzung der Elemente.

Fußnoten   [ + ]

1. Dabei handelt es sich immer um rein qualitative Einschätzungen, welche in Belastungstests überprüft werden müssen.

Der Artikel wurde am 20. Dezember 2015 unter der Kategorie Wissen (in Überarbeitung) veröffentlicht.