Fallbetrachtung

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Von Fall zu Fall

Die Situation: Der Haken trifft oder geht ins Leere. Zwei Fälle. Klar und einfach. Wer Bewegungen betrachtet, trifft auf Fälle: Voller Erfolg, totaler Fehlschlag, irgendwas „dazwischen“. Das Dazwischen liegt im Nebel. Was ist mittelmäßiger Erfolg? Links und rechts vom Kipppunkt ist es klarer: Klappt oder klappt nicht. Wer aufs Dazwischen verzichtet, hat es einfacher.

Die Methode der Fallbetrachtung vereinfacht das Denken und bereitet Analysen vor. Sie setzt den Fokus auf klare Fälle, statt sich in Details zu verlieren. So erweitern Sie ihren Blick auf Probleme und dokumentieren die Ergebnisse.

Sie können diese Methode immer nutzen, wenn alles zu komplex erscheint. Ein Fokus vereinfacht ihren Blick und lenkt weniger ab.

Beispiel

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Wie geht man vor?

  • Starten Sie mit der Bandbreite. Welche soll es sein?
  • Bestimmen Sie die Extreme (siehe Artikel Bandbreite).
  • Gehen Sie durch ihr Thema der Bandbreite.
  • Suchen sie nach Kipppunkten. Wann ändert sich etwas extrem?
  • Beispiel
    • Bandbreite: Geschwindigkeit des Schlags hoch bis niedrig
    • Thema: Schlag erfolgreich oder schlägt fehl
    • Kipppunkt: Schlag trifft oder geht daneben
  • Teilen Sie die Fälle nach Kipppunkten ein.
  • Beispiel
    • Fall 1: Schlag erfolgreich
    • Fall 2: Schlag schlägt fehl
  • Tragen Sie die Fälle in ein Schema ein (siehe obiges Beispiel).
  • Halten Sie es einfach: Maximal drei Fälle, besser nur zwei.

 

Im Viereck denken

Im Viereck bedeutet: Zwei Bandbreiten werden gegenübergestellt. Das Thema füllt die leeren Felder.

Beispiel

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  • Starten Sie mit zwei Bandbreiten und deren Extremen.
    • Beide Bandbreiten müssen bekannte Kipppunkte haben.
  • Stellen Sie beide in einem Schema gegenüber (siehe obiges Beispiel).
  • Gehen Sie durch ihr Thema.
  • Was passiert in jedem Feld?

Was ist das Ergebnis?

Fälle lassen klarer sehen. Was verspricht Erfolg? Wo lauert Misserfolg? Sie lassen keine Diskussionen zu, weisen auf Probleme hin und verlangen nach Lösungen.

Typische Fehler

Halten Sie ihr Thema einfach und einschätzbar. Der Schlag gelingt oder er misslingt – das ist einfach. Jetzt passiert das, jetzt jenes, jetzt ganz was anderes usw. – das ist kompliziert. Dafür gibt es andere Methoden, z.B. das Baumdiagramm.

Schließen Sie Fälle nicht kategorisch aus, bspw. „wird so nie passieren“ und wird deswegen nicht dokumentiert. Schreiben Sie es trotzdem hin. Nicht jeder wird ihre Einschätzung teilen. Jede Lücke wirft Fragen auf. Eine Notiz schafft Transparenz.

Ohne starke Kipppunkte gibt es keine Fallbetrachtung. Bleiben Sie dann bei Bandbreiten.

Wie geht es weiter?

Einfachheit hat einen Mangel: Wer zu einfach denkt, wird Details und Abläufe übersehen. Wer mehr als einen Fall bearbeitet, wechselt zur nächsten Methode, dem Baumdiagramm. Das Diagramm erlaubt viele Fälle und ergänzt die Reihenfolge in der Zeit.

Zu einfach gedacht?

Denken Sie vielleicht: So geht das aber nicht! Das ist viel zu einfach gedacht. Richtig. Fälle stumpf unterscheiden hat Vor- und Nachteile. Wer vereinfacht, schließt Details aus, gewinnt aber auch Überblick. So gilt: Suchen Sie passende Methoden für ihre Bedürfnisse. Fälle generieren schafft Überblick und akzeptiert den Verlust von Details. Es gibt andere Methoden für Details (z.B. das Baumdiagramm).

Zweiter Kritikpunkt? Die Kipppunkte sind nicht festgezurrt. Reagiert ihr Gegner anders, verschiebt sich der Kipppunkt. Plötzlich müssen Sie schneller werden, sonst entsteht ein Misserfolg. Diese Dynamik ist normal und stört Analysen. Ursache ist die Komplexität. Die Fallbetrachtung wirkt entgegen. Sie friert das Geschehen ein und bringt Ruhe ins Denken. Gehen Sie ohne Eile durch die Fälle, statt sich von der Dynamik hetzen zu lassen.

Der Artikel wurde am 13. September 2017 unter der Kategorie Dokumentieren, Informationen beschaffen, Methoden veröffentlicht.