Gegensätze des Informationsmanagements

Hintergrund

Der Austausch von Informationen zwischen dem Gegner und einem selbst kann gezielt beeinflusst werden (z.B. verbal oder nonverbal). Diese bewusste Steuerung der Informationen wird mit Hilfe eines „Informationsmanagement“ beschrieben und beeinflusst. Dabei ergeben sich gegensätzliche Herangehensweisen. Je nachdem welche Wirkung erzielt werden soll, kann zwischen Gegensätzen gewählt werden.

 

Beispiel

  • Androhen eines Angriffs (z.B. mit dem Arm)
    • Nonverbal wird dem Gegner die Information vermittelt, dass ein Angriff bevorsteht
  • Verstecken verräterischer Zeichen beim Vorbereiten eines Angriffs (z.B. Erhöhen der Körperspannung)
    • Nonverbal wird dem Gegner die Information vorenthalten, dass ein Angriff bevorsteht

 

Weiterhin kann zwischen der Richtung des Informationsflusses gewählt werden. Die eigene Perspektive beschäftigt sich mit dem Aufnehmen, die andere mit dem Abgeben von Informationen.

 

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Chancen und Grenzen der Wahrnehmung

Der Prozess der Wahrnehmung kann in drei Abläufe unterteilt werden: Detektion, Identifikation und Interpretation. Jeder Ablauf benötigt Zeit und kann durch zu schnelle Abläufe überlastet werden. Überlastungen sind ein inhärenter Teil der Abläufe und können nur verringert werden. Wer also viele Informationen aufnehmen will, muss damit rechnen, dass Überlastungen diesen Versuch zu Nichte machen.

 

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In den folgenden Schemata wird dieser Zusammenhang skizziert. Das Ziel ist eine hohe Informationsverfügbarkeit, damit Folgeprozesse, bspw. die Handlungsauswahl, davon profitieren. Eine hohe Verfügbarkeit verlangt dementsprechend eine hohe Aufmerksamkeit, ein starkes Identifizieren und Interpretieren. Diese Prozesse benötigen eine gewisse Zeit. Sinken die verfügbaren Ablaufzeiten aber zu stark ab, wird dieser Bedarf an Zeit überschritten und Überlastungen treten ein. Das Potential für eine hohe Verfügbarkeit ist gegeben. Es ist aber an die verfügbare Zeit geknüpft.

 

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Gegensätze beim Aufnehmen von Informationen

Dieser Umstand zwingt dazu bei der Aufnahme von Informationen eine Wahl zu treffen. Will man möglichst viele Informationen aufnehmen und Überlastungen riskieren? Oder verzichtet man freiwillig auf Informationen und kann mit weniger Wissen auskommen? Dieser Gegensatz im Umfang an Informationen muss abgewogen werden.

 

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Der zweite Gegensatz beruht auf der zeitlichen Abhängigkeit. Mit jedem ablaufenden Moment besteht die Möglichkeit, dass sich die Informationsverfügbarkeit erhöht. Je weiter Abläufe fortschreiten, umso mehr Zeit steht für interne Prozesse zur Verfügung und Details im Ablauf werden bekannt. Ein Beispiel ist die reduzierte Anzahl an möglichen Ablaufvarianten. Diese Details können dann für die passende Handlungswahl genutzt werden, da die Handlung auf die zu erwartenden Ablaufe abgestimmt werden kann.

 

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Im Gegenzug sinkt mit fortlaufender Zeit die verfügbare Zeit zum Agieren. Überlastungen des gesamten Regelkreises sind die Folge.

 

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Auch dieser Gegensatz im zeitlichen Verlauf muss abgewogen werden1Der dargestellte Zusammenhang ist stark vereinfacht und lässt paralleles Wahrnehmen und Agieren außer Acht. Allerdings ergeben sich durch paralleles Ausführen wieder eigene Probleme, welche als Gegensatz dargestellt werden können.. Wer zu früh startet, vergibt sie Chance auf hilfreiche Informationen und riskiert Fehlschläge der Handlungsplanung. Wer zu spät startet, riskiert Überlastungen wie Nachhängen.

 

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Gegensätze beim Abgeben von Informationen

Das Ziel beim Aufnehmen ist der Ausgleich zwischen Überlastungen und verfügbaren Informationen. Beim Abgeben dreht sich die Perspektive auf den Gegner. Er steht vor der gleichen Wahl zwischen den Extremen. An dieser Stelle greift das eigene Informationsmanagement. Es zielt darauf ab bei der Abgabe von Informationen die Abläufe im Gegner mit zu berücksichtigen.

Beispiel

Wer zu viele Informationen abgibt, unterstützt den Gegner. Er kann damit seine Bewegungen besser planen. Ist das sinnvoll? Das kommt darauf an. Lässt man ihn in eine Falle laufen, so ist es sinnvoll viele „gute“ Informationen abzugeben. Plant man umgekehrt einen versteckten Angriff, so wären zu viele Informationen schlecht. Der Gegner kann sich darauf einstellen und den Angriff erahnen.

 

Die Wahl zwischen dem Abgeben und dem Verstecken von Informationen erscheint einfach. Das Beispiel zeigt aber, dass die Wahl zwischen den Extremen bedeutend schwieriger ist. Zusätzlich zu den eigenen inneren Abläufen müssen die Abläufe des Gegners zur Wahl berücksichtigt werden („Rückwärts-Denken“). Man selbst kann die gegnerische Informationsverarbeitung nur indirekt beeinflussen2Das Problem der Selbstreferenzialität taucht an dieser Stelle auf..

 

Gegensätze der Verfügbarkeit und des Gehalts

Die ersten zwei Gegensätze bestimmen den Versuch des Einflusses auf den Gegner. Soll er Informationen erhalten?

 

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Und wenn ja, wie hoch soll der Informationsgehalt sein?

 

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Dabei gilt es ein Bewusstsein für die eigene Wirkung und damit das Veröffentlichen von Informationen zu erlangen. Welche Informationen liefere ich mit meinen Handlungen? Dabei gilt es zu beachten, dass auch Nicht-Handeln Informationen liefert; siehe bspw. Watzlawick: Man kann nicht nicht kommunizieren.

Beispiel

Passivität, in Form von Nicht-Handeln, kann dazu einladen, dass der Gegner angreift. Die gelieferte Information wäre: Ich bin passiv, wehre mich nicht und damit ein leichtes Opfer.

 

Gegensatz Info liefern oder Überlastung riskieren

Das Veröffentlichen von Information kann Zeit oder Kraft in Anspruch nehmen (Beispiel: Ausholbewegung für Finte), vor allem wenn es „gespielt“ wird um Reaktionen hervorzurufen. An dieser Stelle entsteht ein Kipppunkt. Das gezielte Veröffentlichen von Informationen verbraucht zu viel Zeit oder Kraft, sodass der restliche Regelkreis nicht ausreichend arbeiten kann. Der Aufwand für „falsche“ Informationen wird dann zu hoch.

 

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An dieser Stelle zwingt der Gegensatz zu einer Entscheidung. Lohnt der Aufwand „falsche“ Informationen zu streuen oder riskiert man Überlastungen?

 

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Nutzung für Bewegungsentwicklung

Die vorgestellten Gegensätze bilden eine gute Grundlage für Bewegungsentwicklungen. Sie zeigen, dass jede Bewegung in ihrem Aufbau in verschiedene Richtungen entwickelt werden kann. Dabei zwingt jede Entscheidung zur Beschäftigung mit den individuellen Vor- und Nachteilen der Gegensätze. Es gilt: Es gibt keinen Vorteil in einem Bereich ohne in einem anderen Bereich unter Nachteilen zu leiden. Auf dieser Ebene stehen alle Bewegungen gleichwertig nebeneinander, da erst im Zusammenspiel mit dem Gegner die Vor- und Nachteile sichtbar werden. Eine geschickte Wahl in der Bandbreite der Gegensätze erlaubt das Verhältnis tendenziell zu den Vorteilen zu verschieben. Die Nachteile werden aber erhalten bleiben.

Fußnoten   [ + ]

1. Der dargestellte Zusammenhang ist stark vereinfacht und lässt paralleles Wahrnehmen und Agieren außer Acht. Allerdings ergeben sich durch paralleles Ausführen wieder eigene Probleme, welche als Gegensatz dargestellt werden können.
2. Das Problem der Selbstreferenzialität taucht an dieser Stelle auf.

Der Artikel wurde am 14. Dezember 2016 unter der Kategorie Wissen (in Überarbeitung) veröffentlicht.