Gegensätze des Kräftemanagements

Hintergrund

Der Austausch von Kräften mit dem Gegner oder seiner Umgebung ist inhärenter Teil der Kampfkünste. Dabei gibt es verschiedene Herangehensweisen in der Art Kräfte zu erzeugen, auszurichten und wie diese auf den Gegner oder die Umwelt wechselwirken. Der folgende Artikel stellt in Auszügen die Motivationen und Bandbreiten im Umgang mit Kräften dar.

Beispiel für Umgang mit Kraft

  • Situation
    • Der Gegner drückt mit seinen Armen gegen den Körper des Partners.
    • Das Ziel des Gegners ist mit Hilfe seiner Kraft den Körper des Partners zu verschieben.
  • Beispiele mit der Kraft umzugehen
    • Widerstand leisten und entgegendrücken.
    • Kraft seitlich gegen gegnerische Arme aufbringen, sodass diese abgelenkt werden.
    • Eigenen Körper zurücknehmen, sodass gegnerische Kraft keinen Ansatzpunkt mehr erhält.

 

Vereinfachung der Betrachtung

Der folgende Artikel stellt die Wechselwirkungen der Kräfte in den Vordergrund. Die verschiedenen Arten der Krafterzeugung werden nicht detailliert ausgeführt. Der Ansatz beruht darauf, dass Kräfte in unterschiedlicher Stärke und Ausrichtung zur Verfügung stehen. Die Erzeugung von Kräften wird ein einem separaten Artikel vorstellt.

Eine weitere Vereinfachung ist die fehlende Bewertung der Ansätze. Jede Möglichkeit mit Kräften umzugehen wird als gleichwertig vorausgesetzt. Es werden keine Ziele diskutiert, welche eine Grundlage zur Bewertung darstellen können. Erst mit der Vorgabe von Zielen und Kontexten lassen sich Bewertungen vornehmen.

Grundlegende Begriffe und Zusammenhänge

Kräfte können mit zwei Größen beschrieben werden: Richtung und Stärke.

 

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Jeder Kraftübertragung ist an einen oder mehrere Körper gebunden. Dabei wird zwischen einzelnen Kräften und deren Ursprung unterschieden. Diese Kräfte bilden zusammen eine Summe. Aus der Summe der Kräfte kann eine resultierende Kraft gebildet werden.

 

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Diese Summe der Kräfte wirkt je nach Körper und Randbedingungen anders. Greifen nicht alle Kräfte an der gleichen Stelle von Körpern an, übertragen sich die Kräfte entlang der Struktur des Körpers.

 

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Bei der Summenbildung wird zwischen verschiedenen Kräften unterschieden. Folgende Kräfte werden bei Betrachtungen typischerweise herangezogen1Die Liste ist stark vereinfacht und dafür ausgelegt im Training eine Grundlage für Diskussionen zu bieten.:

 

  • Körperinnere Kräfte
    • Bewusst erzeugte Kräfte
    • Kräfte durch Reflexe und Automatismen
  • Externe Kräfte
    • Bewusst erzeugte Kräfte des Gegners
    • Kräfte durch Reflexe und Automatismen des Gegners
    • Eingeprägte Kräfte durch die Umgebung

 

 

Motivation des Kräftemanagements

Die resultierende Kraft aus der Summe aller Kräfte bildet die Grundlage für Zielvorgaben:

 

  • Welche Ziele gibt es?
  • Welche Kräfte können helfen diese Ziele umzusetzen?
  • Welche Wirkungen sollen Kräfte haben?
  • Wohin sollen Kräfte deswegen gerichtet werden?

 

Daraus resultiert die Beschäftigung mit der Summenbildung aller Kräfte. Die gestellte Frage ist dann: Wie müssen diejenigen Kräfte in Richtung und Stärke ausgerichtet sein, sodass die resultierende Kraft obige Ziele unterstützt?

Die obige Liste verschiedener Kräfte gibt einen Überblick über diese komplexe Aufgabe. Von den genannten fünf Kräften kann nur eine Kraft bewusst kontrolliert werden (bewusst erzeugte Kräfte2Diese auch nur eingeschränkt durch Überlastungserscheinungen.). Eigene Kräfte durch Reflexe können nur eingeschränkt als bewusst kontrollierbar bezeichnet werden. Das Triggern von Reflexen kann auch durch den Gegner erfolgen, welcher auf diese Weise Kontrolle über die Reflexe erlangt (Beispiel: Hartes Schlagen des Gegners gegen eigenen Arm löst Selbstreflexe aus, welche zum Verspannen des Arms führen und die eigene bewusst geplante Bewegung einschränken).

In diesen Problemstellungen liegen aber auch Chancen. Der Gegner ist mit den gleichen Problemen konfrontiert. Auch seine Reflexe können zu Teilen einer Fremdkontrolle unterliegen. Wichtig ist der Gedanke, dass die gewünschte resultierende Kraft nur bedingt zielgerichtet erreichbar ist.

Aus dieser grundlegenden Problemstellung ergibt sich zum Beispiel einer der typischen Lösungsansätze bei Bewegungen möglichst viel Kraft aufzubringen. In dieser Form dominiert man die Summe der Kräfte und bestimmt die resultierende Kraft. Der Gegner wird deklassiert. Umso schwieriger wird es, wenn man selbst nicht der Stärkere ist und nicht mit anderen Ansätzen vertraut ist.

 

Gegensätze des Kräftemanagements

Die folgend vorgestellten Gegensätze des Kräftemanagements diskutieren die Bandbreiten und Herangehensweisen im Umgang mit Kräften.

Allgemeine Kopplung oder Entkopplung

Die Grundlage zur Übertragung von Kräften ist das Vorhandensein eines Körpers, welcher die Kraftübertragung ermöglicht. Daraus ergeben sich die gegensätzlichen Herangehensweisen eine Kopplung herzustellen, also Kraft zu übertragen, oder eine Kopplung zu lösen, also keine Kraft zu übertragen.

 

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Beispiel

  • Situation
    • Gegner drückt gegen Arm des Partners
  • Kopplung hergestellt und beibehalten
    • Partner belässt Arm an gleicher Stelle, sodass Kraft übertragen werden kann.
  • Kopplung lösen
    • Partner entfernt Arm aus der Richtung der Kraft, sodass keine Kraft übertragen werden kann.

 

Die Herstellung der Kopplung ist zwiespältig. Jede Kopplung nützt sowohl einem selbst als auch dem Gegner zur Übertragung von Kraft. Man kann selbst die entstehenden Kräfte zum Erreichen von Zielen nutzen. Dem Gegner steht aber die gleiche Möglichkeit offen. Beim Lösen der Kopplung entsteht die gleiche Pattsituation.

Variation der Größe der Kraft

Bei einer bestehenden Kopplung kann die Größe der eigenen Kraft entweder verändert oder erhalten werden. Danach wird die Summe der Kräfte betrachtet. Bei einer Veränderung kann die Summe entweder vergrößert oder verkleinert werden. Der Körper wird in der Summe der Kräfte beschleunigt oder gebremst. Dabei führt die eigene Entscheidung zur Vergrößerung nicht sicher zu einer Vergrößerung der Summe der Kraft. Erst mit der weiteren Betrachtung der Richtung aller Kräfte in der Summe kann dazu eine Aussage erfolgen.

 

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Beispiel

  • Situation
    • Gegner hält Handgelenk des Partners fest und drückt es in Richtung des Partners
  • Kraft verändern (vergrößern)
    • Partner beginnt sein Handgelenk zusätzlich in Richtung des Drucks zu ziehen.
  • Kraft erhalten
    • Partner baut in gleicher Richtung mit seinem Handgelenk eine äquivalente Gegenkraft auf.

 

Variation der Richtung der Kraft

Bei einer bestehenden Kopplung kann die Richtung der eigenen Kraft entweder verändert oder erhalten werden. Richtet sich die eigene Kraft in die gleiche Richtung wie die anderen Kräfte, werden diese tendenziell „begleitet“. Bei der entgegengesetzten Richtung werden die anderen Kräfte mit der eigenen Kraft „konfrontiert“. Der Körper wird in der Summe der Kräfte die Richtung behalten oder abgelenkt werden.

 

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Beispiel

  • Situation
    • Gegner drückt mit seinen Armen gegen Körper des Partners um diesen zu verschieben.
  • Kraft konfrontieren ohne Ablenkung
    • Partner baut in gleicher Richtung mit seinem Körper eine Gegenkraft auf
    • Gegenkraft in entgegengesetzter Richtung verhindert Ablenkung
  • Kraft begleiten mit Ablenkung
    • Partner zieht zusätzlich an den gegnerischen Armen (in fast gleicher Richtung)
    • Zug an den Armen liegt nicht in der gleichen Richtung, sodass gezogene Arme abgelenkt werden.

 

Die Veränderung der Stärke und der Richtung von Kräften dient dazu gesetzte Ziele zu erreichen. Die Ziele können sehr einfach sein (Kräfte auf Körper verringern) oder auch sehr komplex (gegnerische Kräfte weiterleiten, sodass diese für eigene Ziele nutzbar werden). Eine umfassende Diskussion der Bandbreite an möglichen Zielen kann an dieser Stelle nicht erfolgen.

Art der Steuerung der Summe der Kräfte

Die Summenbildung der Kräfte ist komplex und kann durch die vielen Anteile nur bedingt genau gesteuert werden (siehe obigen Absatz Motivation des Kräftemanagements). Dadurch ergeben sich zwei gegenteilige Herangehensweisen. Der eine Ansatz versucht die Steuerung der Summe der Kräfte genau auszulegen. Eine Alternative ist die Deklassierung mit dominierender Kraft. Der gegenteilige Ansatz verzichtet darauf und akzeptiert eine ungenaue Steuerung der Summenbildung. Allerdings sind komplexere Ansätze zur Kompensation der Ungenauigkeiten notwendig.

 

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Die exakte Steuerung der Summe der Kräfte ist in genau definierbaren Kontexten mit keinen bis geringen Änderungen während der Abläufe sinnvoll. Der notwendige Aufwand für exakt gesteuerte Kräfte ist sehr hoch (viele Informationen nötig zur Abschätzung der anderen Anteile oder Deklassierung durch Kraft). Der Ansatz erfordert die Erfüllung vieler Randbedingungen, welche tendenziell Überoptimierungen erfordern und deswegen in undefinierten Kontexten mit schnellen Anpassungen nur wenig Aussicht auf Erfolg haben.

Die ungenaue Steuerung der Summe der Kräfte ist ein Ansatz für undefinierten und schnell wechselnden Kontext. Vor allem bei einem Kontext mit vielen Überlastungserscheinungen ist dieser Ansatz vorzuziehen (z.B. Überlastung der Informationsverarbeitung). Der Nachteil liegt in dem Aufwand mit komplexeren Bewegungsansätzen umzugehen oder Ziele nur sehr ungenau/ in Teilbereichen zu erreichen.

Kette der Kopplung oder Entkopplung

Die Bandbreite der Kopplung oder Entkopplung von Kräften kann erweitert werden. Statt der isolierten Betrachtung eines einzelnen Körpers (siehe oben) wird eine Kette von Körpern betrachtet. In dieser Zusammenstellung steht die Übertragung von Kräften innerhalb der geometrischen Struktur von Körpern im Fokus. Diese Perspektive erlaubt die Betrachtung der Abhängigkeiten und Wirkungen der Kopplung zwischen Körperteilen.

 

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In der folgenden Darstellung greifen zwei Kräfte eine Körperstruktur an. Die Struktur wird sich in Abhängigkeit der Kopplung zwischen den Gelenken und Körperteilen verformen.

 

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Ist die Kopplung zwischen Gelenken und Körperteilen sehr schwach, werden die Kräfte die Struktur „zusammenschieben“. In Abhängigkeit vorhandener mechanischer Freiheitsgrade werden sich die Körperteile nach den eingeprägten Kräften ausrichten bzw. aus der Struktur „ausbrechen“.

 

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Bei einer sehr starken Kopplung werden die äußeren Kräfte die Struktur nicht verändern, sondern „im Ganzen“ bewegen.

 

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Wenn eine Struktur keine ausreichende Möglichkeit besitzt um auftreffende Kräfte aufzunehmen, werden die Kräfte bei ausreichender Größe die Struktur brechen.

 

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Die Kopplung im eigenen Körper zwischen Körperteilen kann innerhalb der Bandbreite Kopplung oder Entkopplung variiert werden. Je nach Stärke der Kopplung ergeben sich obig diskutierte Effekte.

 

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Die systematische Auslegung der Kopplungen zwischen einzelnen Körperteilen erlaubt ein sehr komplexes Kräftemanagement. Je nach Kombination der Kopplung zwischen den Körperteilen können äußere Kräfte aufgenommen, abgelenkt oder konfrontiert werden. Folgend werden einige typische Varianten vorgestellt. Kombinationen daraus können zeitlich nacheinander oder parallel genutzt werden.

Starke Kopplung

Wird die Kopplung der ganzen Körperstruktur sehr stark ausgelegt, müssen äußere Kräfte zuerst diese Kopplungskräfte überwinden bevor Wirkungen wie verschieben oder brechen auftreten.

Beispiel

  • Situation
    • Gegner drückt gegen Arme des Partners.
    • Gegner und Partner stehen auf festem Boden.
  • Reaktion Partner
    • Anspannen des Körpers mit starker Kopplung aller Körperteile
  • Ergebnis
    • Kraft des Gegners wird voll auf Körper des Partners übertragen
    • Boden dient Partner als zusätzlicher Körper mit „unendlich“ hoher Gegenkraft zur Kopplung.
    • Kräfte des Gegners können „Gegenkraft“ des Bodens nicht überwinden.
    • Umgangssprachlicher Ausdruck: „Kräfte in Boden ableiten/ umleiten“

 

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In dieser Form können äußere Kräfte gekontert werden ohne die eigene Körperspannung aufzugeben. Die vorhandene Körperspannung kann weiter für Bewegungen genutzt werden, sodass die Handlungsfähigkeit erhalten bleibt.

Ein Nachteil liegt in der Abhängigkeit immer ausreichend Gegenkräfte aufzubringen. Es besteht die Gefahr, dass der Gegner die eigene Körperspannung überwindet und man den Kräften ausgeliefert ist. In dieser Form muss immer jedes Gelenk und Körperteil mit allen ankommenden Kräften umgehen können.

Ein weiterer Nachteil ist der Informationsverlust über die Stärke und Richtung der Kräfte. Jede Bewegung der Körperteile von außen liefert durch innere Sensoren (Propriozeption) Rückschlüsse über die äußeren Kräfte. Diese Möglichkeit entfällt.

Schwache Kopplung

Wird die Kopplung der ganzen Körperstruktur sehr schwach ausgelegt, werden Kräfte die getroffenen Körperteile bewegen. Eine Übertragung der Kräfte auf andere Körperteile findet nur eingeschränkt statt.

Beispiel

  • Situation
    • Gegner drückt gegen Arme des Partners.
  • Reaktion Partner
    • Partner koppelt Arme an Ellenbogen und Schultergürtel nur schwach an restlichen Körper.
  • Ergebnis
    • Gegner bewegt nur Arme.
    • Kraft des Gegners wird nicht auf restlichen Körper übertragen.
    • Umgangssprachlicher Ausdruck: „Kraft ins Leere laufen lassen“

 

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In dieser Form können bestimmte Körperbereiche vor dem Einfluss äußerer Kräfte geschützt werden. Statt Kräfte im ganzen Körper wirken zu lassen, wird der Wirkungsradius der Kräfte stark reduziert (z.B. Gleichgewichtsverlust verhindern). Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit die Stärke und Richtung der Kräfte zu bestimmen. Je nachdem wie die eigenen Körperteile bewegt werden, können mit Hilfe von inneren Sensoren daraus Rückschlüsse über die äußeren Kräfte gezogen werden.

Der Nachteil liegt in der starken Abhängigkeit der äußeren Kräfte. Man ist den Kräften im Extremfall „ausgeliefert“. Die eigene Handlungsfähigkeit für eigene Bewegungen ist damit stark eingeschränkt, da die obige Summe aller Kräfte nicht kontrolliert werden kann.

Mischformen

Bei Zwischenstufen der Stärke der Kopplungen können komplexere kontextsensitive Ansätze realisiert werden. Ein möglicher Ansatz legt bewusst eine einzelne Kopplungsstelle als schwächstes Glied aus. Dadurch entsteht eine kontrollierte Sollbruchstelle. Die Wahl der Sollbruchstelle erfolgt in der Art, sodass die Kräfte beim Bruch der Stelle möglichst wenig Probleme bereiten. Wenn Koppelstellen nicht in dieser Art ausgelegt werden, können bei Überlastungen die wirkenden Kräfte bspw. Körperteile unkontrolliert zum Ausbrechen bringen. Weitere Ansätze kombinieren Sollbruchstellen, sodass äußere Kräfte kontextsensitiv umgelenkt werden können (Getriebeansätze).

Im folgenden Beispiel3Das Beispiel ist stark gekürzt und diskutiert nicht alle Kräfte und Fälle. Die Beschreibung mittels Text kann nicht die richtigen Abläufe voll beschreiben. wird die starke Kopplung mit Hilfe einer definierten Sollbruchstelle kombiniert. In dieser Kombination kann unabhängig von den auftretenden äußeren Kräften ohne bewussten Eingriff (!) mit variablen Kräften umgegangen werden. Dieser Ansatz ist kontextsensitiv (überladen) und kann dadurch bei drohenden Überlastungen der Wahrnehmung eingesetzt werden.

Beispiel

  • Situation
    • Gegner drückt gegen Arme des Partners
      • Drücken mit hoher Geschwindigkeit, sodass Wahrnehmung des Partners überlastet wird.
      • Drücken mit unterschiedlich hohen Kräften, welche vom Partner auf Grund der hohen Geschwindigkeit nicht unterschieden werden können.
      • Fall 1: Drücken des Gegners mit Kraft unterhalb der Kraft der Sollbruchstelle.
      • Fall 2: Drücken oberhalb der Kraft der Sollbruchstelle
      • Überlastung der Wahrnehmung lässt keine Unterscheidung zwischen Fall 1 und 2 zu.
    • Gegner und Partner stehen auf festem Boden.
  • Ziel des Partners
    • Eigene Körperstruktur vor zu großem Einfluss äußerer Kräfte schützen.
    • Handlungsfähigkeit trotz überlasteter Wahrnehmung erhalten.
  • Reaktion Partner
    • Anspannen des Körpers mit starker Kopplung aller Körperteile
    • Auslegung Kopplung zwischen eigenen Körperteilen mit Sollbruchstelle
    • Sollbruchstelle: Ellenbogengelenk und Schultergürtel
    • Bei Betrachtung der Kraftverhältnisse zwischen Körperteilen an diesen zwei Stellen bewusst die schwächste Kopplung gewählt.
  • Ergebnis
    • Fall 1: Gegner kann starke Kopplung des Körpers nicht überwinden.
      • Kraft trifft Arme des Partners und zeigt keine Wirkung.
        • Siehe starke Kopplung von oben
      • Körperspannung erhält Handlungsfähigkeit
    • Fall 2: Gegner kann Kraft der Sollbruchstelle überwinden
      • Kraft drückt „nur“ Arme des Partners ein.
        • Siehe schwache Kopplung von oben
      • Stärkere Kraft des Gegners wird nicht auf restlichen Körper übertragen.
      • Handlungsfähigkeit der restlichen, nicht betroffenen Körperteile bleibt trotz der Überlastung erhalten.
    • Umgangssprachlicher Ausdruck: „federndes Aufnehmen von Kraft“

 

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Die Extreme der Bandbreite (starke und schwache Kopplung) unterliegen immer genau definierten Vor- und Nachteilen. Der Ansatz der Mischformen bietet die meisten Chancen Bewegungen kreativ mit äußeren Kräften umgehen zu lassen. Er erlaubt die Kombination der Vor- und Nachteile schwacher und starker Kopplung für parallel ablaufende Varianten durch Überlastungen. Die Stärke liegt dabei in der Möglichkeit nicht völlig von den Nachteilen abhängig zu sein, sondern diese nur in bestimmten Fällen oder in reduzierter Form zu erfahren. Dadurch entstehen gedankliche Freiheitsgrade für die Entwicklung von Bewegungen.

Fußnoten   [ + ]

1. Die Liste ist stark vereinfacht und dafür ausgelegt im Training eine Grundlage für Diskussionen zu bieten.
2. Diese auch nur eingeschränkt durch Überlastungserscheinungen.
3. Das Beispiel ist stark gekürzt und diskutiert nicht alle Kräfte und Fälle. Die Beschreibung mittels Text kann nicht die richtigen Abläufe voll beschreiben.

Der Artikel wurde am 5. März 2017 unter der Kategorie Wissen (in Überarbeitung) veröffentlicht.