Grundlagen von Belastungstests

Hintergrund

Mit Hilfe von Belastungstests werden Bewegungen systematisch auf ihre Leistungsfähigkeit, Randbedingungen und Schwächen untersucht. Die Spannweite der Tests reicht von einfachen Reaktionstests (Reaktionsarten), zu Belastungstests von Bewegungen unter speziellen Bedingungen (Stress, …), bis zu sehr aufwendigen Tests, um die Automatisierungsfähigkeit von Bewegungen abzuschätzen. Mit den Ergebnissen können die Bewegungen und das Training optimiert werden.

 

Durchführung

Die folgenden Punkte können recht umfangreich erscheinen. Bei komplexen Bewegungen ist dies auch der Fall. Für einfachere Bewegungen ist es aber auch möglich, die Ergebnisse in wenigen Stichworten auszudrücken und zu dokumentieren. Die folgenden Punkte dienen der reinen Vorbereitung und Durchführung der Belastungstest. Die folgende Vorgehensweise der Analyse und Synthese der Ergebnisse wird hier nicht erläutert.

Setzen von Zielen

Das Setzen von Zielen ist eine Grundvoraussetzung, um später eine Bewertung der Ergebnisse vorzunehmen. Es sollte klar umrissen werden, wozu die Bewegung dienen soll. Ist die Bewegung bspw. für eine Anwendung im Kampf gegenüber einem Gegnern gedacht oder handelt es sich um eine Übungsbewegung und die Didaktik soll überprüft werden? Dabei gilt auch, dass Nicht-Ziele definiert werden. Diese Abgrenzung zu den eigentlichen Zielen hilft später den Einsatzzweck von Bewegungen besser einzugrenzen.

Konstruktion der Bewegung

In einem ersten Schritt werden die Bewegungen aller Beteiligten aus einzelnen Elementen aufgebaut (Schritte, Schläge, …). Jedem Beteiligten sollten seine und die Elemente seiner Partner klar sein. Bei späteren Durchläufen kann diese Regel gezielt außer Kraft gesetzt werden, um bestimmte Bewegungsprobleme zu untersuchen.

Überprüfung auf Plausibilität

Belastungstests sind immer als Test für alle Beteiligten zu konstruieren. Angreifende Partner müssen den gleichen Bedingungen unterworfen sein. Andernfalls entstehen schnell unrealistische Szenarien, in denen ein Angreifer „übermenschliche“ Kräfte oder Geschwindigkeit besitzt. Wenn zum Beispiel der Partner als Bewegungselement eine Bewegung nach links hat, dann darf der Angreifer dieses Wissen nicht automatisch als gegeben ansehen und antizipativ seinen Angriff in diese Richtung lenken. Er muss begründen, warum er an dieser Stelle Antizipation einsetzen will (Checkliste Antizipation, …). Das bedeutet, dass bei Bewegungskonstruktionen immer darauf geachtet werden muss, dass es fair bleibt. Alle Beteiligten unterliegen den gleichen Problemen (Informationsverfügbarkeit, …). Bestimmte Lösungsansätze basieren eben auf Bewegungsproblemen und würden in diesen Belastungstests fehlschlagen oder schlecht bewertet werden. In der eigentlichen Anwendung würden diese aber sehr gut funktionieren.

Dokumentation durchführen

Die gewählten Bewegungen mit deren Zielen müssen dokumentiert werden (tabellarisch, Mind-Map, …). Das gilt für alle Beteiligten. Ansonsten besteht die Gefahr, dass bei schlechten Ergebnissen im Belastungstest die Bewegungen sofort unbewusst angepasst werden. Es gilt nur, was auch dokumentiert wurde. Belastungstests sollen gerade dazu dienen, spezifische Elemente einer Bewegung systematisch zu überprüfen, hinzuzufügen oder zu entfernen. Erst mit der Dokumentation wird transparent, welche Elemente wirklich zur Leistungsfähigkeit und Erfüllung der Ziele einer Bewegung beitragen.

Einbettung in Kontext

Jede Situation ist durch ihre eigenen Randbedingungen definiert. Diese Randbedingungen müssen auch dokumentiert werden. Im privaten Bereich gelten Gesetze, Moral und Ethik. In sportlichen Auseinandersetzungen gelten zusätzliche Wettkampfregeln. Diese Randbedingungen ergeben den Kontext, der die Grenzen für Bewegungen absteckt. Wenn der Kontext ein Verletzen des Gegners verbietet, müssen passende Bewegungen ausgewählt werden. Bewegungen, welche im Sport verboten sind, werden in Auseinandersetzungen ohne Regeln eingesetzt. Ein Augenmerk sollte auch auf Kontextwechsel gelegt werden. Nicht immer ist klar, welcher Kontext vorliegt. Ein möglicher Gegner kann den Kontext vielleicht weniger starr einschätzen und sich damit Vorteile verschaffen. Gerade unangekündigte Kontextwechsel (versteckte Angriffe, …) sind kritisch.

Ausführen der Bewegungen

In der obigen Bewegungsdokumentation sollten die Startbedingungen (fester Stand, parallel auflaufende Bewegungen, …) definiert worden sein. Diese müssen zum Anfang der Ausführung eingenommen werden oder ausgeführt werden. Dann können zeitlich folgend alle Beteiligten ihre jeweiligen Bewegungen ausführen.

Verschieben des Arbeitspunktes

Im ersten Durchlauf sollte der Arbeitspunkt relativ niedrig angesetzt sein, damit die Bewegungen definitiv gelingen. Bei jeder folgenden Ausführung der Bewegungen wird der Arbeitspunkt (Geschwindigkeit, Kraft, …) stückweise erhöht. Meist gibt es eine Festlegung, welche Bewegung (Verteidigung Partner 1, …) detailliert untersucht werden soll. Beim Auftreten bestimmter Effekte dieser Bewegung (Nachhängen, kein Reagieren, …) kann abgeschätzt werden, dass die Belastungsgrenze erreicht wurde. Je nach auftretenden Effekten wurde der Übergangsbereich erreicht oder überschritten. Auf eine weitere Erhöhung des Arbeitspunktes wird dann verzichtet und zur Analyse übergegangen.

Beim Verschieben des Arbeitspunktes sollte möglichst immer nur eine Variable verändert werden (z.B. Geschwindigkeit). Die anderen Möglichkeiten (z.B. Kraft) sollten nicht verändert werden. Bei bestimmten Elementen lässt sich diese Trennung nicht sauber durchführen (Stress, Selbstreflexe, …). Beim Einsatz solcher Elemente muss die Folgeanalyse sehr detailliert erfolgen.

Beobachten der Ausführung

Außenstehende sollten den Ablauf beobachten und auf Abweichungen von den obigen dokumentierten Bewegungselementen hinweisen. Bestimmte resultierende Bewegungen beim Kräfteaustausch zwischen zwei Gegnern können wie Abweichungen wirken. In Wirklichkeit ist die unterlagerte Bewegungsrepräsentation gleich geblieben. Eine genaue Defintion von Abweichungen ist deswegen mitunter sehr schwierig.

 

Folgeschritte

Die obigen Schritte bilden nur die reine Grundlage. In Folgeschritten werden gezielt Störungen eingebacht, um zu sehen, wie der Regelkreis damit umgehen kann. Dabei werden die obigen Schritte immer wiederholt und die Dokumentation wird umfangreicher (Ziele werden angepasst, Baumdiagramme erstellt, …). Immer wieder wechseln sich dann die Belastungstests mit der Analyse und Synthese der Bewegungen ab.

Der Artikel wurde am 21. Dezember 2014 unter der Kategorie Methoden (in Überarbeitung) veröffentlicht.