Kontext und Handlungsrahmen vergleichen

Hintergrund

Der Kontext wird durch verschiedene Dimensionen gebildet (z.B. Wettkampfregeln). Er bestimmt den verfügbaren Handlungsrahmen, welcher wiederum die verfügbaren Bewegungselemente für Bewegungen bestimmt. Aus den verfügbaren Elementen für Bewegungen ergeben sich erreichbare Ziele und die Leistungsfähigkeit von Bewegungen. Der Zusammenhang wird im Artikel Gegensätze des Kontextmanagements detaillierter erläutert.

 

DE_Gegensätze_des_Kontextmanagments_03

 

Eine ähnliche Methode Ziele vergleichen dient als direkter Vergleich zwischen direkt gesetzten Zielen: Was will ich erreichen? Was will der Gegner erreichen? Die folgende Methode zum Vergleich des Kontexts und des Handlungsrahmens stellt die Fragen auf andere Weise: Was kann ich erreichen? Was kann der Gegner erreichen? Der direkte Zusammenhang zwischen Kontext und erreichbaren Zielen erlaubt diese Einschätzung. Er hilft stärker die gegebenen Möglichkeiten abzuschätzen, statt blind zu hohe oder zu niedrige Ziele zu stecken (Betrachtung des Potentials).

Ein typisches Beispiel zum systematischen Vergleich der Handlungsrahmen wird folgend kurz vorgestellt. Der Fokus liegt an dieser Stelle aber vor allem auf dem nicht direkt augenscheinlichen Punkt.

Beispiel

  • Ein Partner greift das Handgelenk seines Partners.
  • Er ist stärker und kann das Handgelenk seines Partners sicher am Platz halten.
  • Der gegriffene Partner lässt es bewusst geschehen.

 

Auf den ersten Blick scheint der greifende Partner im Vorteil. Er nutzt seine Kraft um sich durchzusetzen und das Handgelenk seines Partners festzuhalten. Hat er nicht alle Vorteile bei sich? Ist der gegriffene Partner nicht im Nachteil?

Kurioserweise ist das in diesem Beispiel auf der Ebene der verfügbaren Bewegungselemente nicht der Fall. Vergleicht man die verfügbaren Handlungsrahmen beider Beteiligter, zeigt sich ein Patt, statt einem klaren Vorteil für den greifenden Partner. Er schränkt die Freiheit des Handgelenks seines Partners ein. Im gleichen Zug schränkt er aber sich selbst ein. Er hat für die Ausführung des Griffs selbst seinen Handlungsrahmen verringert. Wer andere greift, schränkt immer auch sich selbst ein. Dieser Zusammenhang wird durch den direkten Kontextvergleich sichtbar.

 

DE_Kontext_und_Handlungsrahmen_vergleichen_01

 

Dieser gespiegelte Aufbau ergibt sich durch die Konstruktion des Beispiels. Griffe an anderen Stellen des Körpers ergeben andere Kontexteinschränkungen.

Ursprung für Wahrnehmung als Vorteil/ Nachteil

Die „Macht“ des „Stärkeren“ die Kontexteinschränkung vorzunehmen spielt beim ersten Eindruck eine große Rolle. Es ist das Gefühl der Machtlosigkeit des gegriffenen Partners, der Unterlegene zu sein und sich der Kraft des stärkeren Partners fügen zu müssen. Der gedankliche Kontrollverlust und eingeschränkte Handlungsrahmen werden stärker wahrgenommen und verschleiern die eigenen verbliebenen Möglichkeiten. Die Methode des Vergleichs liefert an dieser Stelle eine neutrale Perspektive.

Nutzung als Planungsansatz

Der Kontextvergleich bildet eine weitreichende Basis für weitere Methoden. Die Übersicht über die verfügbaren Bewegungselemente beider Beteiligter liefert einen Ausblick auf die Potentiale und erreichbaren Ziele. Es kann systematisch untersucht werden, welche weiteren Kontextveränderungen Vor- oder Nachteile bieten oder wie vorhanden Elemente benutzt werden sollen.

Beispiele

  • Wie kann der Handlungsrahmen des Gegners weiter eingeschränkt werden?
  • Wie kann ich selbst mehr Nutzen aus der Einschränkung ziehen als der Gegner?
  • Wie kann ich selbst mehr Freiheiten gewinnen?

 

Durchführung

  • Auswahl zu betrachtender Kontextdimensionen (meistens mechanische Freiheitsgrade) und Vergleich
  • Bestimmung der resultierenden Handlungsrahmen und Vergleich
  • Bestimmung der verfügbaren Bewegungselemente und Vergleich

Der Artikel wurde am 29. Januar 2017 unter der Kategorie Methoden (in Überarbeitung) veröffentlicht.