Kopplungsarten

Hintergrund

Bei der Kopplung (Verbindung) von Körpern werden in den Ingenieurswissenschaften verschiedene Grundprinzipien unterschieden. Diese Grundprinzipen lassen sich nutzen um systematisch Verbindungen zwischen Körpern (Schraube, Niete, Kleber) zu beschreiben. Mit Hilfe dieser Systematik können die jeweiligen Vor- und Nachteile von Verbindungarten ausgearbeitet werden. Diese Basis wird dann zur Wahl einer Verbindung mit dem Bewusstsein der geltenden Randbedingungen genutzt.

In Kampfkünsten können diese Ansätze verwendet werden um bspw. Griffe oder Hebel zu beschreiben, die Stärken und Schwächen des jeweiligen Ansatzes zu kennen und bei Bedarf weitere Optimierungen vorzunehmen.

 

Arten der Kopplung

Es werden insgesamt drei Arten der Kopplung unterschieden. Nur zwei davon spielen in Kampfkünsten eine Rolle.

Formschluss

Beim Formschluss werden Freiheitsgrade mit Hilfe von Körpern relativ zueinander gesperrt und damit eine Kopplung hergestellt. Das lockere Umschließen eines Handgelenks ist ein typisches Beispiel. Dabei sperrt ein Körper mit seiner Präsenz die Freiheitsgrade.

Kraftschluss

Beim Kraftschluss wird die relevante Kraft zum Sperren der Freiheitsgrade durch Reibung erzeugt. Das bedeutet, dass die senkrecht auf einen Körper wirkende Kraft die Reibung beeinflusst und damit umgerechnet die Kraft, welche zum Sperren von Freiheitsgraden zur Verfügung steht. Wenn beim Umschließen des Handgelenks zugedrückt wird, so kommt eine Reibkraft hinzu, welche in diesem Fall die Rotation des Handgelenks einschränken oder verhindern kann.

Stoffschluss

Eine Verbindung mit Hilfe von Stoffen (Kleben, Schweißen, …) spielt in Kampfkünsten keine Rolle.

 

DE_Kopplungsarten_1

 

Perspektive der Betrachtung

Bei der Beschreibung einer Kopplung mit Hilfe von Freiheitsgaden ist es notwendig auf die Perspektive zu achten. Wenn man zum Beispiel mit einer Hand das Handgelenk des Gegners umgreift und ausreichend festhalten kann, so ist die eigene Hand sicher am gegnerischen Handgelenk angekoppelt. Wenn der Gegner es allerdings noch schafft insgesamt seine Hand zu bewegen, so wird die eigene Hand durch die Kopplung mitbewegt. Die Kopplung ist trotzdem erfolgreich. An dieser Stelle muss man aufpassen, in welcher Perspektive man das Sperren der Freiheitsgrade für die Kopplung betrachtet. Von außen betrachtet kann der Gegner seine Hand bewegen und damit sind die Freiheitsgrade nicht gesperrt. Die eigene Hand relativ zur gegnerischen Hand gesehen bewegt sich aber nicht. Von dieser Perspektive aus gesehen sind die Freiheitsgrade gesperrt.

 

Nutzung

Die Kopplungsarten können ähnlich den mechanischen Freiheitsgraden für detaillierte Analysen von Bewegungen verwendet werden. Jede Bewegung, welche als Ziel eine Kopplung herstellen soll, kann mit diesen Einteilungen beschrieben werden. Bei den Detaillierungen fällt dann zum Beispiel auf, dass bisher ein zu starker Wert auf die Kopplung mittels Formschluss gelegt wurde. Es wurde bisher kein Element eingesetzt um einen Kraftschluss zu erzeugen und damit die Bewegung abzusichern.

Bei diesen Analysen kann auch besser das Wechselverhältnis zwischen eigenen und gegnerischen Zielen abgeschätzt werden, da Kopplungen nur die Verbindung zwischen Körpern beschrieben, nicht die dahinterstehenden Intentionen. Kopplungen als Mittel zur Umsetzung von Zielen müssen immer aus zwei Perspektiven betrachtet werden. Zuerst, was nützt mir die Kopplung? Als zweites, kann der Gegner diese Kopplung auch für sich ausnutzen? Wer gegriffen hat, dem muss bewusst sein, dass die Kopplung beiden Teilnehmern nützen oder schaden kann. Sich greifen zu lassen kann ein fruchtbarer Ansatz sein, um einem Gegner die Illusion der Kontrolle über den Ablauf zu vermitteln. Wer glaubt, er hielte einen Gegner fest, muss sich darüber im Klaren sein, dass mit dieser Kopplung auch er selbst festgehalten wird. Nur durch das Lösen der Kopplung gewinnt man selbst wieder seine Freiheit, aber eben auch der Gegner. Deswegen ist es eine Kunst für sich diejenigen Kopplungen zu finden, welche einem selbst so wenige Freiheitsgrade wie möglich nehmen, aber dem Gegner ausreichend viele Freiheitsgrade, um die eigenen gesetzten Ziele bevorzugt umzusetzen 1Ein systematischer Ansatz erfolgt über Betrachtungen von Funktionsäquivalenten..

Es ist für viele Analysen essentiell sich nicht so sehr auf die Unterscheidung „Mein Wille zur Kopplung bestimmt meinen Nutzen“ zu versteifen, sondern den Blick auf alle Möglichkeiten zu richten. Erst dadurch entsteht der Blick zum Beispiel auch Kopplungsversuche des Gegners als Chance für eigene Ansätze zu sehen, statt sich immer dagegen zu wehren.

In der folgenden Darstellung wird der Zusammenhang zusammengefasst2Die Einteilung in „meistens betrachtet“ usw. erfolgt nach eigenen Erfahrungen und ist als nicht repräsentativ anzusehen..

 

DE_Kopplungsarten_2

Fußnoten   [ + ]

1. Ein systematischer Ansatz erfolgt über Betrachtungen von Funktionsäquivalenten.
2. Die Einteilung in „meistens betrachtet“ usw. erfolgt nach eigenen Erfahrungen und ist als nicht repräsentativ anzusehen.

Der Artikel wurde am 9. Mai 2015 unter der Kategorie Wissen (in Überarbeitung) veröffentlicht.