Welche Bewegung soll es sein?

Wissen, was man hat

Der eine kennt jedes Detail seines Autos, als hätte er es selbst entworfen. Ein anderer kauft es, fährt es und hängt maximal den Wunderbaum an den Rückspiegel. Mehr interessiert ihn nicht. Bei Bewegungen schwankt die Bandbreite in gleicher Weise. Der eine entwirft Bewegungen, der andere trainiert sie stur nach Vorgaben. Nur für eine Seite der Bandbreite gilt: Wer entwirft, weiß, was er hat.

 

Wozu Bewegungen entwerfen?

Verständnis entwickeln

Der Haken klappt bei einem Gegner, aber misslingt beim nächsten Gegner. Wer selbst Bewegungen entwirft, lernt diese Zerrissenheit tiefer zu verstehen. Bewegungen sind nicht perfekt. Sie schwanken zwischen fein ausbalancierten Kunstwerken und grobschlächtigem Werkzeug. Wer Bewegungen aktiv entwirft, entwickelt dafür Verständnis.

Volle Kontrolle aller Elemente

Ein Schlag setzt sich aus vielen Elementen zusammen: Stand, Körperspannung, Ausrichtung, Wahrnehmung des Gegners – die Liste ist lang. Wer benennt deutlich gute und schwache Eigenschaften seiner Bewegung? Wer kennt die Kompromisse in der Auslegung? Antwort: Nur wer selbst Hand anlegt, kennt seine Bewegung und kontrolliert die Elemente.

Chancen und Risiken kennen

Oberflächlich mag eine Bewegung großartig erscheinen: schnell, präzise, dynamisch. Unter der Oberfläche verbergen sich unerkannte Risiken, aber auch Chancen. Wer Bewegungen entwirft, kennt diese Gegensätze. Jedes Element einer Bewegung steuert diese bei. Wer Entscheidungen trifft, kennt die entscheidenden Punkte und jongliert damit.

 

Ein paar Worte vorweg

Diese Phase ist am schwersten zu bewältigen, deshalb vorab ein paar Hinweise.

Von frei wählen bis leicht anpassen

Die Bandbreite dieses Schritts schwankt zwischen zwei Extremen: Völlig freier Entwurf oder eine bestehende Bewegung leicht anpassen1Wer nichts anpasst, der ist hier außen vor.. Das Kriterium ist die Art der Bewegungselemente. Wessen Elemente vorgegeben sind, passt nur an. Wer unbeschränkt zwischen Elementen wählt, hat am Anfang „keine Bewegung“ und entwirft frei. Anfänger greifen auf bestehende Bewegungen zurück. Fortgeschrittene gehen in der Bandbreite in Richtung freierer Entwurf.

 

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Im Kreis drehen hoch 10

Wer frei entwirft, dreht sich ständig im Kreis: Elemente auswählen, analysieren, bewerten, entscheiden und von vorn. Wer eine Bewegung leicht anpasst, dreht ein bis zwei Schleifen. Denken Sie also daran: Frei entwerfen verlangt Ihnen mehr ab. Sie springen ständig zwischen den Phasen. Die nächsten Schritte konzentrieren sich auf diesen freien Entwurf. Wer nur analysieren will, springt direkt zu diesem Schritt.

 

Bewegungen entwerfen, aber wie?

Wann entwerfen?

Wer Ziele hat und seine Probleme kennt, kann Bewegungen entwerfen. Jedes ungelöste Problem oder nicht erreichtes Ziel drängt Sie in diese Phase.

Überblick verschaffen

Ihre Situationsanalyse enthält das Gesamtbild: Abläufe, Umfeld, Regelwerke, Phänomene aus Fachbereichen, … Der Überblick dient als Einstieg: Wo liegt das Problem? Wenn es mehrere gibt: Was ist das Hauptproblem? Was sind Nebenschauplätze? Diese Punkte werden mittels Checklisten erarbeitet.

Kurze Einschränkung

Wenn es zu viele Probleme gibt, hilft ein Fokus. Was drängt am meisten? Sie blenden den Rest kurzzeitig aus.

Beispiel

  • Hauptproblem und Fokus
    • Gegner hält eigenes Handgelenk fest
  • Weitere Probleme
    • Mögliche Überlastungen der Kraft oder Geschwindigkeit

 

Der Blick auf die Ziele

Springen Sie zu ihren Zielen. Welche Ziele haben Sie gesetzt? Schauen Sie auf ihr Hauptproblem. Es ist der Ausgangspunkt, aber: Wohin wollen Sie?

Beispiel

  • Hauptproblem
    • Gegner hält eigenes Handgelenk fest
  • Ziel
    • Handlungsfreiheit bewahren
    • Unterziel: Griff lösen

 

Woran kann man drehen?

Bestimmen Sie die Stellschrauben. Was beeinflusst das Problem? Gehen Sie durch die Fachbereiche. Dabei helfen Checklisten und Konstruktionskataloge2Stellen Sie sich einen IKEA-Katalog für Bewegungselemente vor..

Beispiel

  • Unterziel: Griff lösen
  • Fachbereich: Biomechanik
    • Checkliste: Typische Schwachstellen bei Griffen
    • Konstruktionskatalog: Bewegungselemente zum Lösen von Griffen

 

Was lohnt sich?

Wählen Sie aus dem Pool an Stellschrauben etwas aus. Keine Angst: Es gibt kein Falsch. Formen Sie aus wenigen Bewegungselementen eine grobe Bewegung. Details ergänzen Sie später. Umentscheiden ist auch jederzeit möglich.

Im Kreis drehen und Blick weiten

Jetzt folgt der knifflige Teil. Sie drehen sich im Kreis durch alle Phasen und analysieren, bewerten, entscheiden. Dann erreichen Sie wieder diese Phase. Mit jeder Schleife weiten Sie den Blick und ergänzen Probleme der Situationsanalyse. Halten Sie ihre Ziele im Blick und passen Sie Bewegungselemente an. Die Erfahrung zeigt, dass die Bewegung sich wandelt, von überschaubar zu komplex. Sie ähnelt in der Art verklebten Spagetti. Ziehen Sie an einer Nudel und der ganze Topf kommt Ihnen entgegen. Heißt: Bewegung im Kleinen anpassen, verändert den großen Rest gleich mit.

Wie wählt man Methoden?

Orientieren Sie sich am Diagramm des Vorgehens. Jede Phase benötigt eigene Methoden. Eine Übersicht der Phasen finden Sie hier. In den Kategorien sind die passenden Methoden eingeordnet.

Ab hier beginnt die Baustelle. Bitte gedulden Sie sich.

Fußnoten   [ + ]

1. Wer nichts anpasst, der ist hier außen vor.
2. Stellen Sie sich einen IKEA-Katalog für Bewegungselemente vor.