Mindestanforderungen der Mittel bestimmen

Hintergrund

Mit Hilfe der Methode Ziele und Mittel zuordnen ergibt sich eine Übersicht über die genutzten Mittel einer Bewegung. In der Methode wird nur ein einzelner Punkt einer Mind-Map vorgestellt. Bei dem Einsatz in einer Mind-Map im Flussdiagramm ergeben sich zusätzlich noch die zeitlichen Verknüpfungen der Elemente untereinander.

 

DE_Mindestanforderungen_der_Mittel_bestimmen_01

 

Die folgende Methode hilft eine weitere spezielle Perspektive einzunehmen. Dabei stellt man die Frage, welche Mindestanforderungen die Mittel einer Bewegung haben müssen, um die gesetzten Ziele zu erfüllen. Diese Methode dreht also den Blickwinkel auf die Bewegung um. Statt nur zuzuordnen welche Mittel vorhanden sind, wird gefragt, welche Mittel der Bewegung unbedingt gebraucht werden um die Ziele zu erfüllen. Zusätzlich stellt sich die Frage, wie denn diese Mittel zeitlich verknüpft sein müssen.

Das folgende einfache Beispiel demonstriert kurz den Ansatz:

Beispiel für einen einfachen Hebelansatz (Armstreckhebel)

  1. Greifen des Handgelenks vom Gegner
  2. Greifen des Ellenbogens vom Gegner
  3. Führen beider Punkte auf eine gewisse Art, sodass beim Gegner durch die Streckung ein Hebel entsteht.

 

Im Beispiel zeigen sich drei wichtige Punkte. Punkt eins und zwei könnten in der Reihenfolge noch vertauscht werden oder gleichzeitig auftauchen. Punkt drei muss aber erst nach Punkt eins und zwei erfolgen. Wenn einer der Punkte nicht erfüllt wird oder die zeitliche Reihenfolge nicht diesen Regeln folgt, schlägt die Bewegung fehl.

 

Nutzung

Zwang zur Reduzierung

Dieser Blick hilft sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Bewegungen können Elemente enthalten, welche beim aktuellen Stand der Betrachtung für die Ziele nicht notwendig erscheinen und entfernt werden können. Die Elemente ohne zugeordnete Ziele müssen an dieser Stelle nicht für immer entfernt werden. Man ist aber gezwungen wirklich zu hinterfragen, warum gerade dieses Element in der Bewegung auftauchen soll, wenn es doch kein Ziel verfolgt.

Erkennen der Abhängigkeiten

Sobald die Liste zusammengestellt wurde, zeigen sich die Abhängigkeiten. Die Anzahl der Abhängigkeiten kann sehr gering oder sehr groß sein. Die reine Anzahl der Abhängigkeiten ist nicht wichtig. Es zählt in Folgeschritten zu zeigen, dass diese Abhängigkeiten erfüllt werden können. Sobald Bewegungen eine hohe Anzahl an nicht oder nur schwer erfüllbaren Abhängigkeiten besitzen, werden diese in späteren Einsatzfällen ein Risiko darstellen. Typische nicht erfüllbare Abhängigkeiten sind Handlungen, welche unter Stress, also einer Überlastungssituation, fehlschlagen.

Perspektive zur Weiterentwicklung

Mit dem Erkennen der Abhängigkeiten ergibt sich im gleichen Schritt die Möglichkeit der Anpassung und Weiterentwicklung. Wer es schafft Probleme zu erkennen, kann daran arbeiten und die Probleme lösen. Im Falle der Abhängigkeiten kann man versuchen die nicht/schlecht erfüllbaren Abhängigkeiten zu ersetzen.

Umkehrung der Perspektive

Die gleiche Betrachtung kann für eine gegnerische Bewegung durchgeführt werden. Die Bestimmung der Abhängigkeiten kann genutzt werden um die gegnerische Bewegung zu stören oder ganz zu verhindern.

 

Durchführung

Zu Beginn wird die bereits bestehende Bewegungsdokumentation verwendet. Elemente ohne Ziele werden entfernt. In der folgenden Skizze werden entfernte Elemente ohne Ziele gestrichelt und halb transparent in Rot angedeutet.

 

DE_Mindestanforderungen_der_Mittel_bestimmen_02

 

Im nächsten Schritt wird jedes einzelne Element unter dem Gesichtspunkt von wichtigen Zielen und leichten Abweichungen überprüft. In der normalen Bewegungsdokumentation werden alle Ziele den Elementen zugeordnet. An dieser Stelle wird die Betrachtung vereinfacht. Die Frage ist: Können die wichtigsten Ziele erfüllt werden, wenn das betrachtete Element vollständig fehlschlägt? Sind leichte Abweichungen akzeptabel? Die Fragen zielen darauf ab die wirklich wichtigen Elemente zu isolieren. Meistens können einige Elemente fehlschlagen. Trotzdem werden die wichtigen Ziele erreicht.

Dadurch reduziert sich die Anzahl der Elemente erneut. Im Beispiel werden das erste und das zweite Ziel als wichtige Ziele definiert. Ziel drei und vier und deren Elemente werden entfernt. Weiterhin entfällt Element 9, da Abweichungen von seiner Form akzeptabel sind. Die entfernten Elemente werden wieder gestrichelt und halb transparent in Rot angedeutet.

 

DE_Mindestanforderungen_der_Mittel_bestimmen_03

 

Die Auswahl der „wichtigen“ Ziele und die Einschätzung von Abweichungen ist stark subjektiv. An dieser Stelle genügt eine derartige Einschätzung aber meist aus. Eine saubere Detaillierung kann später immer noch erfolgen.

Im Folgeschritt werden die zeitlichen Abhängigkeiten überprüft. Bestimmte Elemente müssen nicht zum gleichen Zeitpunkt stattfinden. Diese können jeweils vor oder nach einem anderen Element stattfinden. Statt einer Folge können diese vielleicht auch gleichzeitig stattfinden.

In der Betrachtung versucht man diese Elemente zu kennzeichnen. Es genügt ein Pfeil zur Andeutung, dass ein Element in der Zeitachse verschoben werden kann. Elemente, welche zwingend verbleiben müssen oder gleichzeitig stattfinden, erhalten keine Kennzeichnung.

In dem Beispiel können Teil vier und sieben jeweils zu einem anderen Zeitpunkt stattfinden. Teil eins und drei müssen beim Anfang der Bewegung verbleiben und gleichzeitig stattfinden.

 

DE_Mindestanforderungen_der_Mittel_bestimmen_04

 

Am Ende ergibt sich das Bild einer Bewegung, zusammengesetzt aus den wirklich wichtigen Elementen und deren zeitlicher Verknüpfung. In Folgemethoden wird untersucht, ob die bestehenden Abhängigkeiten erfüllbar sind. Als Kriterien dienen Belastungstests mit Überlastungserscheinungen. Darauf folgt dann die Betrachtung, ob Abhängigkeiten doch erfüllt werden können oder ob auf eine Abhängigkeit ganz verzichtet werden kann.

Der Artikel wurde am 28. Oktober 2015 unter der Kategorie Methoden (in Überarbeitung) veröffentlicht.