Überlastung mit zu vielen Informationen

Hintergrund

Im Artikel des Rückgangs der Informationsverfügbarkeit wurde der Überlastungsfall bei zu hoher Geschwindigkeit vorgestellt. In diesem Fall nahmen die verfügbaren Informationen ab, da die Ablaufgeschwindigkeit zu hoch zur Verarbeitung einer einzelnen Information war. Die Zeit zur Wahrnehmung der Abläufe ist dann zu kurz, um noch ausreichend Informationen für die Handlungsplanung zu haben.

Zusätzlich dazu gibt es noch gegenteiligen Fall. Es kann auch eine Überlastung auftreten, wenn zu viele Informationen verfügbar sind. Sobald sehr viele Informationen vorhanden sind, muss zwingend dazwischen ausgewählt werden. Wie soll die Wahl erfolgen? Worauf soll sich die Konzentration richten? Dabei kann sich schnell das Gefühl einstellen, dass zu viel passiert (man kommt nicht folgen). Die Überlastung bei steigender Geschwindigkeit ist der eine Fall, das Problem der Wahl worauf man sich konzentrieren soll ist der zweite Fall.

Dadurch ergibt sich eine scheinbar kuriose Situation. Trotz der vielen verfügbaren Informationen muss gewählt werden. Jede Wahl unter Zeitdruck schließt aber automatisch die verbliebenen Informationen von der Weiterverarbeitung aus. Woher weiß man, welche wahrgenommenen Reize die meiste Information enthalten hätten?

 

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Dadurch verändert die Grenze der Übertragungsfunktion. Bei richtigem Auswählen der Informationen steigt die Grenze, bei einer Fehlauswahl sinkt die Grenze. Es lässt sich also keine genaue Grenze finden. Es hängt mehr von den „Suchkriterien“ ab, wo die Grenze der Handlungsfähigkeit liegt. Fortgeschritten haben an dieser Stelle Vorteile, da sie bereits bessere Suchkriterien haben, um bei vielen Informationen gut auswählen zu können.

In der folgenden Darstellung werden die Reize in der Übertragungsfunktion gegenübergestellt. Reiz 1 hat dabei den geringsten Informationsgehalt, folgend bei Reiz 2 und Reiz 3. Die unterschiedlich hohe Verfügbarkeit von Informationen bestimmt die Grenze der Übertragungsfunktion. Reiz 3 liefert die meisten Informationen. Er kann damit bei der Handlungsplanung helfen eine Bewegung zu wählen, welche bis zu einer hohen Geschwindigkeit noch funktioniert.

 

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Wahlproblem der Wahrnehmung

Jede der drei Stufen der Wahrnehmung trägt durch ihre Art und Weise zu dem Problem bei. Die Fähigkeit der Auswahl und detaillierten Verarbeitung von Informationen hat also eine gegensätzliche nachteilige Seite.

Detektion

Der Aufmerksamkeitspunkt kann nicht „unendlich“ schnell gewechselt werden. Je nachdem worauf die Konzentration liegt, gehen in anderen Bereichen Informationen verloren. Das spielt keine Rolle, solange in diesen Bereichen keine brauchbaren Informationen liegen. Das Problem beginnt, sobald Bereich mit ihrem Informationsgehalt untereinander „konkurrieren“.

Identifikation

Die Identifikation muss auf Mustern aufbauen. Diese Muster müssen gewählt und abgeglichen werden. Dabei stellt sich die Frage: Worauf soll ich achten? Wenn an dieser Stelle schlecht gewählt wird, geht auch wieder Information verloren.

Interpretation

An dieser Stelle kann eine Überlastung mit zu vielen Informationen dafür sorgen, dass die Konstruktion der Abläufe misslingt. Bei diesem Prozesse kann es zu systematischen Fehlern kommen (siehe Kahnemann). Zum Beispiel können Informationen, welche nicht ins Gesamtbild passen, unbewusst ausgeblendet werden.

 

Zusammenfassung

Die Konsequenzen bei einer Überlastung mit zu vielen Informationen sind den Problemen mit zu wenig Informationen ähnlich. Die Handlungsplanung misslingt und die eigenen Ziele werden nicht erreicht.

Im Training ist es wichtig diese Art der Überlastung in Übungen einfließen zu lassen. Statt von vornherein immer die relevanten Muster gegenüber Schülern hervorzuheben, schadet es nicht diese in ersten Trainingsabläufen unerwähnt zu lassen. Wenn Schüler dann auf das Problem der Überlastung treffen, kann die Problematik erläutert werden, um im Anschluss Lösungen zu erarbeiten.

In dem Nachteil der Überlastung liegt aber auch eine Chance. Es ergeben sich ganz eigene mögliche Handlungsstrategien gegenüber einem Gegner. Er unterliegt dem gleichen Nachteil. Statt also eigene verräterische Handlungen zu verstecken oder zu verzögern, wird die Handlung gleichzeitig in einer großen Anzahl von anderen Elementen eingefügt. Wenn der Gegner sich dann auf die anderen Elemente konzentriert, wird er das eigentlich wichtige Element übersehen.

Lösungsansätze dieses Dilemmas können darin bestehen gezielt auf Informationen zu verzichten und nur ganz bestimmte vorher gewählte Muster zu beachten (siehe den Kompensationsansätzen).

Der Artikel wurde am 5. Dezember 2015 unter der Kategorie Wissen (in Überarbeitung) veröffentlicht.