Was wäre, wenn?

Geben Sie sich manchmal „Was wäre, wenn?“-Überlegungen hin? Was passiert, wenn der Gegner schneller angreift? Was passiert, wenn ich zu wenig Kraft habe? Schaffe ich es dann noch oder trifft er mich? Bauen Sie diese Gedanken aus, denn Bewegungen schlagen fehl. Das ist normal und Sie können daran wachsen. Besser Sie erleben konstruierte Fehlschläge im Training als schmerzhafte Pannen in der Anwendung.

 

Fähigkeiten und Fehlschläge

Eigene Fähigkeiten ermöglichen die unglaublichsten Dinge, aber auch die größten Fehlschläge. Wer schnell schlägt, schlägt auch schnell daneben. Wer genau hinsieht, wird woanders was verpassen. Wer kräftig anspannt, verliert die Feinfühligkeit. So steht jeder Fähigkeit ein Gegenpol entgegen. Jeder Vorteil kann sich als Nachteil herausstellen.

Diese Widersprüche entstehen durch den Aufbau des menschlichen Körpers und seiner Eigenheiten. Details sind hier nicht notwendig, eher ein Bewusstsein dieser Gegenpole. Bewegungen sind nicht per se „funktionstüchtig“, sondern immer widersprüchlich. Bedingungen zum Lernen begünstigen ihr Training. Diese Bedingungen sind ungünstig, um Bewegungen auf Schwächen abzuklopfen.

Günstige Bedingungen sind:

  • Volle Kraft zur Verfügung
  • Ausreichend Zeit zu reagieren
  • Erkennen, was passiert
  • Passive Partner

 

Fehler einbauen

Die folgenden Schritte bauen bewusst Fehler ein. Dabei entsteht kein „Katastrophen-Denken“. Ihr Gegner ist kein Supermann. Er hat ihre Möglichkeiten, begeht aber auch die gleichen Fehler. Geben Sie ihm nicht zu viel Macht. Er schlägt genauso daneben oder übersieht ihre Aktionen. Die Kunst dieser Methode ist sich selbst und den Gegner in gleicher Art zu sehen: Als Menschen mit Fähigkeiten, aber auch mit Fehlern. Mit dieser Basis konstruieren Sie alternative Abläufe und starten das „Was wäre, wenn?“. Ziel ist die Robustheit einer Bewegung zu überprüfen. Schon zwei bis drei alternative Abläufe misslingen? Dann gilt: Was im Training schiefgeht, wird in der Anwendung erst recht misslingen.

 

Vorarbeit

Haben Sie schon die folgenden Methoden ausprobiert? Sie gehen auf typische Fehler und Fälle ein. Versuchen Sie zuerst diese Methoden, bevor Sie weiter fortfahren.

 

 

Abläufe erzeugen

Klein anfangen

Stellen Sie systematisch Abläufe zusammen. Beginnen Sie mit kleinen Variationen eines festen Ablaufs (ein Angriff mit einer Abwehr). Lassen Sie ihren Partner angreifen:

 

  • Leicht schneller oder langsamer
  • Etwas kräftiger oder schwächer
  • Ohne Ansage seiner gewählten Variante

 

Beobachten Sie sich selbst oder bitten Sie andere Partner darum. Reagieren Sie sicher oder nervös? Funktionieren ihre Bewegungen, vollständig oder teilweise? Setzt sich ihre Partner durch? Können Sie Positionen halten oder werden Sie verdrängt? Täuschen Sie sich und führen falsche Bewegungen aus?

Steigerung I

Stimmen Sie mit ihrem Partner weitere Varianten des Ablaufs ab. Er soll:

  • Zwischen links/ rechts wechseln
  • Angriffshöhen anpassen (hoch/niedrig)
  • Zwei Mal direkt hintereinander angreifen
  • Ohne Ansage seiner gewählten Variante

Steigerung II

Nehmen Sie abweichende Angriffe und Abwehren hinzu. Ihr Partner darf:

  • Zwischen zwei, drei oder mehreren Angriffen wählen.
  • Mit oder ohne Ansage die Variante wechseln.
  • Eine unbekannte Variante einstreuen.
  • Zwei Varianten hintereinander ausführen, falls ihre Abwehr zu schwach war.

Schwacher Start

Stillstehen und auf Angriffe warten ist ein Idealfall. Die folgende Steigerung schwächt ihre Position, indem ihr Partner Finten einbaut. Steigen Sie auf Finten ein, sind Sie nicht länger in ihrer Idealposition. Er darf:

  • Angriff 1 starten, dann umschwenken zu Angriff 2 usw.
  • Ohne Ansage auf die Finte verzichten, also Angriff 1 durchziehen

Angriff gegen Angriff

Mischen Sie die Rollen. Sie greifen mit einer bekannten Variante an, ihre Partner darf entscheiden:

  • Er wehrt ihren Angriff ab oder
  • Greift gegen ihren Angriff an, also ignoriert ihren Angriff. Kommen Sie damit klar?

Mit Dreck werfen

Letzte Stufe: Treiben Sie Bewegungen aus der Komfortzone an Grenzen. Ihr Partner darf übertreiben, aber denken Sie daran: Niemand ist Supermann. Halten Sie Maß. Es nützt nichts an unrealistischen Szenarien zu scheitern. Wenn Sie diese Tortur überstehen, sind Sie gut vorbereitet.

Was passiert?

Wenn ihre Bewegung nicht ausreichend robust ist, passiert folgendes:

  • Manche Varianten gelingen, andere misslingen.
  • Sie wählen unpassende Bewegungen.
  • Sie reagieren hektisch und nervös; fühlen sich stark gestresst.

Wie wäre es gut?

Ihnen sind die Varianten ihres Partners egal und ihre Bewegungen gelingen.

 

Wie geht es weiter?

Sie sind in guter Gesellschaft. Fehlschläge bei Belastungstests sind normal. Die eigene Motivation leidet, aber ihre Erfahrung steigt. Nehmen Sie die Herausforderung an und beschäftigen Sie sich mit den Fehlern. Die Ursachen verstehen erfordert Fachwissen, steigen Sie hier ein. Die Überlastungen ihres Körpers verursachen ihre Probleme. Alternativ gibt es noch weitere Methoden zum Einstieg.

Der Artikel wurde am 4. Juni 2017 unter der Kategorie Methoden veröffentlicht.