Wirkprinzipien zuordnen

DE_Wirkprinzipien_zuordnen_01_Beitragsbild

Raum durchdringen, Raum greifen

Die Dornenhecke durchquert ohne Stich und Schnitt, wer sich kleinmacht, keine Fläche bietet. Wer gegen die Hecke die Machete schwingt, zielt auf das Gegenteil. Er schneidet in großen Schwüngen, erwischt mit großer Fläche so viel wie möglich. Der Unterschied? Einmal wenig, einmal viel Wirkfläche. Zum Vergleich: Der Speer dringt punktuell zum Ziel. Der Schwinger reißt weitläufig mit. Wirkprinzipien definieren diesen Kontakt zum Gegner. Sie bestimmen die Chance zu Berühren und die Sicherheit Kraft zu übertragen.

Die Methode dient dem Untersuchen von Bewegungen, der Informationsbeschaffung und Dokumentation. Sie liefert eine Übersicht der Wirkprinzipien. Welcher Teil der Bewegung dringt punktförmig vor? Welcher schneidet als Linie? Welcher schützt als Fläche?

Nutzen Sie die Methode um Wirkprinzipien von Bewegungsteilen abzuschätzen. Jedes Prinzip bietet eigene Möglichkeiten und fordert andere Kompromisse.

Beispiel: Wer die Deckung des Gegners durchdringt, schmal und ohne Berührung, landet sicher Treffer. Der Nachteil: Berührungen blockieren den Gegner und schränken seine Angriffe ein. Wer nichts berührt, verzichtet auf Blockade und Schutz.

Beispiel für Hieb mit Säbel

DE_Wirkprinzipien_zuordnen_01

 

Wie geht man vor?

Vorüberlegungen

 

Einzelschritte

  • Teil I: Kontakt mit Kraftübertragung
    • Wie wird Kraft übertragen? Die Bandbreite beginnt mit punktuell und endet mit flächig.
  • Teil II: Chancen für Kontakt im Bewegungsraum
    • Wie hoch ist die Chance im Bewegungsraum des Gegners etwas zu berühren? Die Bandbreite schwankt zwischen hoher und geringer Chance, je nach Wirkprinzip und Bewegungsraum.

 

Kontakt mit Kraftübertragung

  • Betrachten Sie den Ablauf im Moment des Kontakts zum Gegner.
    • Beispiel: Die Faust trifft. Das Schwert schneidet.
  • Reduzieren Sie den Kontakt auf drei Grundformen der Berührung. Bildlich gesprochen: Entfernen Sie das „Fleisch“ und denken Sie in Punkten, Linien und Flächen.
    • Wirkpunkt: Faust, Speer, Degen, …
    • Wirklinie: Unterarm, Säbel, …
    • Wirkfläche: Schild, …

 

Beispiel für Grundformen1Vereinfachte Darstellung. Ein Säbel dient kaum zum Stich.

DE_Wirkprinzipien_zuordnen_02

 

  • Betrachten Sie den Trefferbereich. Mit welcher Grundform wirkt dieser Bereich? Was ergibt sich in der Kombination?
    • Beispiel: Säbelhieb gegen Säbelhieb. Beide Säbel treffen sich nur in einem Wirkpunkt2Der Fall des genauen Aufeinandertreffens der Klingen wird nicht betrachtet.

 

Beispiel Hieb gegen Hieb ergibt Wirkpunkt

DE_Wirkprinzipien_zuordnen_03

 

  • Der Kontakt bleibt selten gleich. Betrachten Sie verschiedene Zeitpunkte oder Ablaufvarianten an.
    • Beispiel: Erst trifft die Faust, dann trifft der Unterarm (Punkt zu Linie).
  • Die Übergänge zwischen Punkt zu Fläche sind fließend. Wer genau hinsieht, wird eine klare Abgrenzung vermissen. Deswegen gilt: Es gibt kein „wahres“ Wirkprinzip. Es dient als grobe Abgrenzung, womit ihr Körper Kraft überträgt.
    • Beispiel: Eine Faust wirkt grob als Punkt, besteht genauer aber aus Fingern. Diese wirken als Linie.

 

Chance für Kontakt im Bewegungsraum

  • Betrachten Sie ihre Bewegung. Wie durchdringt diese den Raum? Welche Grundform bildet sie dabei?
  • Je größer die überstrichene zeitliche Wirkfläche, desto größer die Chance für Kontakt.

 

Beispiel Stich und Hieb mit Säbel

DE_Wirkprinzipien_zuordnen_04

 

  • Ihr Gegner hat einen Bewegungsraum. Daraus bildet er eigene Bewegungen, Ablaufvarianten und Grundformen. Lassen Sie ihre und seine Grundform mit Varianten aufeinandertreffen. In welchen Varianten besteht die Chance für Kontakt?
  • Je mehr Überschneidungen, desto mehr Varianten bieten Chancen für Kontakt.
  • Achtung! Chance heißt nicht sicherer Kontakt. Flächen müssen sich gleichzeitig überschneiden für Kontakt.

 

Beispiel Hieb gegen Varianten eines Stichs

DE_Wirkprinzipien_zuordnen_05

 

Was ist das Ergebnis?

Sie erhalten eine Übersicht über die Wirkprinzipen, eigene und ihres Gegners. Weiterhin erhalten Sie eine Abschätzung, ob sich ein Kontakt mit ihrem Gegner ergibt.

Typische Fehler

Egal ob Punkt oder Linie. Kräfte werden damit übertragen. Bleiben Sie sich nicht zu lang im Graubereich unscharfer Grundformen. Ziel ist die Art der Kraftübertragung einzugrenzen. Sie optimieren diese Übertragung mit Folgemethoden. Die Grundformen schärfen später nach.

Ein Degenstich wirkt als Wirkpunkt. Nicht ganz: An jeder Degenspitze hängen Schneide, Rücken und Korb. Diese wirken zusätzlich als Wirklinie und -fläche. Vergessen Sie diese „versteckten“ Grundformen nicht.

Überstrichene zeitliche Wirkflächen verändern sich durch die Überlagerung von Bewegungen (siehe Methode: Bewegungen zuordnen und überlagern). Klein erwartete Flächen werden größer und umgekehrt.

Wie geht es weiter?

Nutzen Sie die Ergebnisse und optimieren Sie ihre Grundformen und überstrichenen Flächen für bspw. höhere Trefferwahrscheinlichkeit, sicherer Kraftübertragung oder besseren Schutz vor Treffern.

Fußnoten   [ + ]

1. Vereinfachte Darstellung. Ein Säbel dient kaum zum Stich.
2. Der Fall des genauen Aufeinandertreffens der Klingen wird nicht betrachtet

Der Artikel wurde am 22. August 2018 unter der Kategorie Dokumentieren, Informationen beschaffen, Lösungen untersuchen, Methoden veröffentlicht.