Wozu?-Fragetechnik

Hintergrund

Die „Wozu?“ Arbeitstechnik dient dem systematischen Hinterfragen von Mitteln und Zielen. Sie ist angelehnt an eine Methode aus dem Buch Reden. Dabei werden gesetzte Mittel und Ziele immer weiter hinterfragt, um letztlich die zu Grunde liegenden Ziele zu finden. Beim Setzen von Zielen für Bewegungen hat sich diese Methode bewährt, um Mittel und Ziele sauber zu trennen. Meistens lassen sich noch versteckte unterlagerte Ziele finden. Der Nutzen stellt sich später ein. Bei gedanklichen Sackgassen kann kreativer nach Lösungen und Ansätzen gesucht werden. Bestimmte Ziele schränken sonst die eigenen Bewegungsmöglichkeiten stark ein und schlussendlich geht man unnötige Kompromisse ein.

Es kann sein, dass man am Ende immer wieder bei teils trivialen Zielen angelangt. Aber darin liegt gerade die Stärke dieser Vorgehensweise. Auf diese tiefe Ebene gelangt man selten in Kombination mit einer derartigen Transparenz. Bei späteren Durchgängen gelangt man so schneller an die Basis für eine Bewegung.

 

Durchführung

Bei dieser Arbeitstechnik stellt man ein Mittel oder Ziel in den Raum und fragt sich selbst oder in der Gruppe, ob nicht doch noch weitere Ziele dahinterstecken. Jedes Mal wird ein „Wozu?“ angehangen. Das erste Mittel oder Ziel ist dann eine Art „Verpackung“ für andere Ziele. Jedes Mal wird immer wieder hinterfragt, bis niemandem mehr etwas einfällt. Dabei sollte es ähnlich wie beim Brainstorming nicht darum gehen Einfälle abzuwürgen. Im Gegenteil, an dieser Stelle darf frei „gesponnen“ werden. Eine Auswahl kann immer noch später getroffen werden. Dabei können sich verschiedene Stränge ergeben. Dazu sollte ein Teilnehmer als Moderator fungieren und diese Richtungen gleichberechtigt verfolgen. In Gruppen zeigt sich meistens, dass jeder Vorschlag bei anderen Teilnehmern neue Gedankengänge auslöst.

 

Beispiel

Das folgende Beispiel des „festen Standes“ ist typisch in Diskussionen. Dieser ist, wenn auch unscheinbar, bereits ein Mittel und kein Ziel mehr. Wenn nur ein fester Stand, im Sinne von im Boden verankert, als Ziel vermittelt wird, gehen die unterlagerten Ziele womöglich verloren. Es gibt auch Bewegungen, in denen ein „flexibler Stand“ Vorteile bietet. Nur, wer auf „festen Stand“ als Ziel pocht, wird sich diesen Weg verbauen.

 

„Die Bewegung muss einen festen Stand haben, ähnlich eines Ankers. Nichts soll mich bewegen.“

Erster Strang

Wozu?

„Fester Stand gibt mir Kontakt zum Boden und ich kann mich davon abdrücken“

Wozu?

„Kontakt zum Boden gibt mir die Gegenkraft, um gegen Bewegungen des Gegners anzugehen.“

Wozu?

„Damit ich handlungsfähig bleibe. Ich möchte meine Bewegungen wählen können.“

Wozu?

„Weil sonst mein Gegner mir seine Bewegungen und Ziele aufzwingt“

Wozu?

„Weil seine Ziele nicht unbedingt meine Ziele sein.“

Wozu?

„Was nicht mein Ziel ist, kann mein Nachteil sein.“

 

Auswertung

Die Auswertung danach ergibt einen Überblick und eröffnet neue Möglichkeiten. An diesem Punkt hat man eine ausführliche Liste mit den Zielen. Diese Ziele stellen in allgemeiner Form die ersten Anforderungen an die zu wählende Bewegung dar. Hier kann sich schnell zeigen, dass ein zu früh gewähltes Mittel die Möglichkeiten stark eingeschränkt hätte.

Im ersten Strang haben sich direkt andere Ziele ergeben. Im Fokus steht Handlungsfähigkeit und Umsetzung der eigenen Ziele. Jetzt zeigen sich interessante Ansätze. Nicht immer ist klar, dass die gegnerischen Ziele ein Nachteil sind. Wer sagt dann, dass sich die Ziele des Gegners und die eigenen Ziele nicht zeitweise auch decken können? Weiterhin gibt es auch andere Ansätze, um Kräfte zu erzeugen. Vielleicht können andere Krafterzeugungsmechanismen die Handlungsfähigkeit erhalten? Ist es wirklich diese Art der Gegenkraft, die die Handlungsfähigkeit sichert? Oder ließe sich die Kraft des Gegners umgehen oder umleiten? Usw.

Der Artikel wurde am 27. September 2014 unter der Kategorie Methoden (in Überarbeitung) veröffentlicht.