Ziele vergleichen

Hintergrund

In den bisherigen Schritten (Ziele setzen und dokumentieren) wurden nur die eigenen Ziele immer sehr isoliert betrachtet. Partner oder Gegner haben aber ihre eigenen Ziele. In Übungen, Belastungstests oder in Kämpfen sind deren Ziele eine weitere Quelle für Informationen und können für Betrachtungen eigesetzt werden.

Viele dieser Betrachtungen und der Ergebnisse werden für „alte Hasen“ trivial erscheinen. Grundlegende Dinge sind auch weniger für Experten gedacht. Es sind eher Anfänger, welche von diesen Grundlagen profitieren. Man kann sich als Schüler die Ziele und deren Zusammenhänge immer selbst erarbeiten, aber ein systematisches Heranführen durch einen Trainer mit abwechselndem Erläutern und eigenem Erarbeiten spart Zeit.

Komplexität und Interaktionen

Für Fortgeschrittene und Experten werden Zielvergleiche erst dann interessant, wenn komplexere Stufen erreicht werden. Bewegungen und deren Ziele, welche zu Beginn noch mit wenigen Worten beschrieben werden konnten, verwandeln sich nach einigen Analyse- und Syntheseschleifen in äußerst umfangreiche Gebilde. Wer an dieser Stelle nicht systematisch vorgeht, wird zwar viele Ziele haben, aber keine Vorgehensweise diese strukturiert zu betrachten (siehe Umgang mit Komplexität). Die Ziele gehen dann schnell über die Stufe „Abwehr von ABC“ hinaus und im Hintergrund wirkende Ziele (Lösung von kritischem Bewegungsproblem XYZ, …) kommen hinzu.

Die Folgestufe ist dann die Interaktion der eigenen Ziele mit denen des Gegners. Diese Beeinflussungen sind dann noch umfangreicher und werden ohne helfende Strukturen nur sehr grob erfassbar. Die sich ergebenden Fragen nach den Wechseln der Ziele durch die Handlungen seines Gegenübers und einer angepassten Priorisierung sind selten in kurzen Stichworten beantwortbar.

Einsatz von Antizipation

Der Versuch der Vorwegnahme von bevorstehenden Handlungen des Gegners ist eine mögliche Strategie um sich Vorteile zu verschaffen. Zum Abschätzen der bevorstehenden Handlungen müssen aber die Ziele des Gegners in weiten Teilen bekannt sein. Die wirklichen Intentionen eines Gegners lassen sich selten nicht bestimmen. Aber die Einschränkungen, bspw. Kontext oder durch Körperpositionen, lassen Betrachtungen im Vorfeld zu.

Verteilung der Ziele

Ein wichtiger Punkt ergibt sich noch aus dem Verteilung der Ziele. Es kann vorkommen, dass der Gegner nicht die gleichen Ziele hat und er mit einfacheren Mitteln seine Ziele erreichen kann. Ein typisches Beispiel ist der entstehende Zugzwang, wenn man in einem Punktspiel hinten liegt. Die Ziele sind in dieser Situation nicht mehr gleich verteilt. Derjenige mit dem Punktvorsprung kann defensivere, einfacher umzusetzende, Ziele höher priorisieren und sich damit einen Vorteil verschaffen. Ein Punktvorsprung ist noch relativ leicht zu erkennen. Es gibt aber viele Situationen, in denen eine ungleiche Zielverteilung und die damit verbundenen Vor- und Nachteile nicht so leicht erkennbar sind.

 

Darstellung

Die Ergebnisse zu den folgenden Punkten können isoliert von anderen Analysemethoden tabellarisch in einer Gegenüberstellung dokumentiert werden. In der Gegenüberstellung können die gegenseitigen Abhängigkeiten gut hervorgehoben werden.

Die zweite Möglichkeit besteht in der Einordnung in den eigentlichen Bewegungsablauf. Mit der Einordung im Flussdiagramm lässt sich gut erkennen, wie sich Ziele über die Zeit entwickeln und sich die Priorisierung ändert.

DE_Ziele_vergleichen_01

 

Durchführung

  • Aufstellen der eigenen Ziele
  • Grobe erste Priorisierung vornehmen
  • Detaillierung mittels Fragen
    • Welche Ziele soll der Gegner kennen?
    • Welche Ziele sind dem Gegner wirklich bekannt?
    • Aufstellen gegnerische Ziele (Vermutung im Kampf, Veröffentlichung im Training)
    • Priorisierung der gegnerischen Ziele (Vermutung im Kampf, Veröffentlichung im Training)
    • Welche Ziele hat er veröffentlicht?
    • Welche Intentionen können in seiner Veröffentlichung liegen?
    • Welche weiteren Ziele kann er noch verfolgen?
  • Vergleich der Ziele
    • Welche Ziele des Gegners stehen den eigenen Zielen im Weg?
    • Welche gegnerischen Ziele können einem selbst helfen?
    • Welche eigenen Ziele beeinflussen die Ziele des Gegners und umgekehrt?
    • Welche Ziele lassen sich leicht/ schwer erreichen?
    • Sind die Ziele von der Schwierigkeit gleich verteilt oder kann jemand seine Ziele leichter erreichen?
    • Wie soll mit Widersprüchen zwischen Zielen umgegangen werden?
  • Maßnahmen
    • Sollen Ziele anders priorisiert werden?
    • Kann auf Ziele verzichtet werden?
    • Müssen noch andere Ziele hinzugenommen werden?
    • Sollen gegenüber dem Gegner Ziele veröffentlicht/ zurückgehalten werden?

Der Artikel wurde am 30. Dezember 2014 unter der Kategorie Methoden (in Überarbeitung) veröffentlicht.