Zuordnung unterscheidender Merkmale

Hintergrund

In einem Baumdiagramm werden parallel ablaufende Varianten dokumentiert. Allerdings fehlen an dieser Stelle diejenigen Merkmale, welche eine prinzipielle Unterscheidung zwischen den Varianten ermöglichen und zu welchem Zeitpunkt diese auftauchen. Diese Merkmale stecken in den Bewegungsbeschreibungen (z.B. einer Mind-Map). Diese Methode stellt eine Verbindung zwischen den beiden Dokumentationen, Baumdiagramm und Bewegungsdokumentation, her.

An dieser Stelle wird noch nicht die Frage gestellt, ob die Information des Merkmals im Regelkreis überhaupt verfügbar ist. Eine Überlastung kann dazu führen, dass trotz des vorhandenen Merkmals keine Unterscheidung zwischen den Varianten getroffen werden kann. Diese Punkte werden aber in anderen Methoden untersucht (z.B. Belastungstests).

 

Durchführung

In manchen Fällen haben die Einträge im Baumdiagramm bereits „sprechende“ Namen erhalten. Das bedeutet, dass aus den Namen bereits auf die Merkmale geschlossen werden kann. Dann sind zusätzliche Einträge der Merkmale nicht weiter notwendig. Es kann trotzdem helfen, die wesentlichen Merkmale für eine gesteuerte Aufmerksamkeit hervorzuheben.

Im ersten Schritt werden die Bewegungsdokumentationen der parallel ablaufenden Varianten untersucht. Gesucht sind diejenigen Bewegungselemente, welche sich zwischen den Varianten unterscheiden.

 

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Es kann vorkommen, dass es sehr viele unterscheidende Merkmale gibt. Dann werden im zweiten Schritt diejenigen Merkmale herausgesucht, welche für die Unterscheidung verwendet werden sollen. Dabei sollten diejenigen Merkmale bevorzugt werden, welche schwer vom Gegner unterdrückt oder gefälscht werden können. Die verbliebenen unterscheidenden Merkmale werden zurückgestellt.

 

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Im letzten Schritt werden die Merkmale in das Baumdiagramm eingetragen. Teilweise können Merkmale zusammengefasst werden. Dann genügt es an den Kreuzungspunkt das gemeinsame Merkmal hinzuzufügen (z.B. Angriffshöhe: hoch, mittel, tief).

 

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Nutzung

Diese Methode ermöglicht sich mit einer Kernfrage im Regelkreis auseinanderzusetzen. Der Regelkreis ist auf Informationen zur Auswahl einer Bewegung angewiesen. Bei dieser Zuordnung spielen die unterscheidenden Merkmale eine wichtige Rolle. Woher kommt die Information, um bspw. bei einer Reaktion die Berep und die resultierende Bewegung anzupassen? An dieser Stelle entscheidet sich, wie gut der Regelkreis funktionieren kann. Wenn wichtige unterscheidende Merkmale erst sehr spät auftauchen, müssen Kompensationen (z.B. kontextsensitive Bewegungen) eingesetzt werden. Andernfalls können gesetzte Ziele nicht erreicht werden. Diese Methode ist dabei einer der ersten Schritte, um zu einer Abschätzung zu gelangen.

Ein weiterer Einsatz erfolgt im Unterricht. Schüler sind Training und Kampf meist mit den Abläufen und den auftauchenden Merkmalen überfordert. Ihnen fehlt die Erfahrung, welche Merkmale eine erfolgreiche Antizipation ermöglichen und welche als Finte eher dem Gegner dienen. Diese Methode hilft die relevanten Merkmale herauszuarbeiten.

Ein weiterer Aspekt ist die zeitliche Einordnung der Merkmale. Es gibt einen typischen Fehler im Training, welcher mit Hilfe dieser Methode erkannt werden kann. Dabei wird versucht ein Auftauchen eines Merkmals mit einer bestimmten Reaktion zu verknüpfen. Das bedeutet, dass eine Reaktion auch erst dann starten kann, wenn das unterscheidende Merkmal auftaucht. Der Fehler besteht darin durch das Vorwissen aus den vorherigen Trainingsabläufen mit der „Reaktion“ zu früh zu beginnen. Statt das Merkmal zu identifizieren und zu reagieren, wird die Information aus den vorherigen Abläufen genommen (Bsp. Beginn bei Teil 1 in obiger Darstellung, statt nach Teil 2). Der Start der Reaktion wird zeitlich vorverlagert. Dadurch erhält man einen unrealistischen zeitlichen Vorteil. Schüler schaden sich damit in mehrfacher Weise. Weder wird die Erkennung des Merkmals gefördert, noch können Schwächen in der Bewegung erkannt und verbessert werden. Übungen, welche keinen Wechsel der Varianten beinhalten, sind immer für diesen Fehler anfällig. Umso wichtiger ist es die relevanten Merkmale herauszuarbeiten und mit den Abläufen abzugleichen.

Der Artikel wurde am 27. September 2015 unter der Kategorie Methoden (in Überarbeitung) veröffentlicht.