Zwang eines Punktes

Hintergrund

Zum Einstieg genügt es sich die äußere Überlagerung an einem einzelnen Punkt zu betrachten. Dabei beginnt man mit dem Sperren einer einzelnen Richtung und sperrt in weiteren Schritten die verbliebenen Richtungen. Dabei können die Richtungen vollständig gesperrt werden („nichts geht mehr“), nur zum Teil („bis zum Anschlag“) oder zusätzliche Bewegungen eingeprägt werden.

In dem folgenden Beispiel wird die Wellenbewegung aus dem Artikel Innere Überlagerung von Bewegungen als Basis verwendet. Diese Bewegung hat zwei Bewegungsrichtungen, welche folgend nach und nach gesperrt werden (Vorwärtsrichtung und Auf-und-Ab-Bewegung).

 

DE_Überlagerung_von_Bewegungen_02

 

Die Wellenbewegung ist, zeitlich gesehen, eine relativ lange Bewegung. Derartige Bewegungen kommen im Vergleich dazu zum Beispiel beim Aneinanderreihen von Schlägen zu Kombinationen zu Stande. Dabei wird die Bewegung gesteuert ausgeführt, statt geregelt zu werden und wird dadurch sehr schnell. Genau an dieser Stelle tritt der Effekt des „Durchziehens“ auf. Da die Sensorik überlastet ist, können keine bewussten Anpassungen vorgenommen werden. Trifft einer der Schläge der Kombination auf einen unbekannten Widerstand, ergibt die Kombination der Kräfte neue Bewegungen. Die Wellenbewegung steht also stellvertretend für derartige Kombinationen und die möglichen Fälle.

Die Fälle können in dieser Art trivial wirken. Es geht an dieser Stelle aber darum sich mit dieser Informationsarmut vertraut zu machen. Wo keine Information verfügbar ist, können auch keine bewussten Anpassungen vorgenommen werden (Beispiel). Das Denken in dieser Umgebung (Informationsarmut, „Was passiert mit mir?“) unterscheidet sich fundamental von dem „normalen“ Denken (Informationen vorhanden, keine Überlastung, das Gefühl „ich handle“ ist vorhanden).

Als passiver Zwang wird an dieser Stelle ein Hindernis benutzt, welches keine eigene Bewegung einprägt. Als aktiver Zwang wird ein Hindernis bezeichnet, welches eine zusätzliche Bewegung aufprägt.

Passiver Zwang

Völlige Sperrung der Vorwärtsrichtung

Bei diesem Aufeinandertreffen der Wellenbewegung sperrt der äußere Zwang nur die Vorwärtsbewegung. Die Auf-und-Ab-Bewegung bleibt erhalten (gestrichelt angedeutet). Die Vorwärtsbewegung ist nun nicht mehr von außen sichtbar (Mehrdeutigkeit).

In den folgenden Abbildungen wird immer die Wellenbewegung immer im Vergleich eines Ausführenden mit einer isolierten Perspektive dargestellt.

 

DE_Zwang_eines_Punktes_01

 

DE_Zwang_eines_Punktes_02

Völlige Sperrung der Auf-und-Ab-Richtung

Bei diesem Aufeinandertreffen sperrt der äußere Zwang die Auf-und-Ab-Bewegung. Der Arm bewegt sich immer noch vorwärts. Die Intention einer Auf-und-Ab-Bewegung ist von außen nicht mehr sichtbar.

 

DE_Zwang_eines_Punktes_03

 

DE_Zwang_eines_Punktes_04

 

Teilweise Sperrung der Auf-und-Ab-Richtung

Bei diesem Fall sperrt der Zwang die Bewegung nicht vollständig, sondern nur innerhalb bestimmter Grenzen. Es geht immer noch auf und ab, aber die größte Auslenkung wird nicht mehr erreicht. Der Arm „schleift“ geradezu am Hindernis entlang. Auf-und-Ab sind von außen noch sichtbar, aber nur noch verzerrt.

 

DE_Zwang_eines_Punktes_05

 

DE_Zwang_eines_Punktes_06

 

Völlige Sperrung beider Richtung

An dieser Stelle ist die Wellenbewegung völlig aufgehoben. Sie wird zwar noch ausgeführt; von außen wirkt es aber wie Stillstand.

 

DE_Zwang_eines_Punktes_07

 

DE_Zwang_eines_Punktes_08

 

Aktiver Zwang

Stärker Zwang zur Rückwärtsbewegung

Die Vorwärtsbewegung wird jetzt vom Zwang in die entgegengesetzte Bewegung überlagert. Der Zwang setzt sich durch. Von außen ist dieser Zusammenhang nicht erkennbar. Die innere Bewegung könnte sich genauso von selbst rückwärts ausrichten.

 

DE_Zwang_eines_Punktes_09

 

DE_Zwang_eines_Punktes_10

 

Stärkerer Zwang zur zusätzlichen Vorwärtsbewegung

Der Zwang überlagert eine gleiche, nach vorn ausgerichtete Bewegung. Die innere Bewegung wird durch die Summe also geradezu „überholt“. Bei der Auf-und-Ab-Bewegung kann dieser Fall genauso auftreten (nicht dargestellt). Dabei vergrößert sich die Auslenkung nach oben und unten. Von außen kann nicht erkannt werden, ob das „Überholen“ die eigentliche innere Bewegung darstellt.

 

DE_Zwang_eines_Punktes_11

 

DE_Zwang_eines_Punktes_12

 

Patt mit Stoppen der Bewegung

Bei einem Patt mit aktivem Zwang überlagert der Zwang eine entgegengesetzte gleiche Bewegung. Dieser Fall lässt sich nicht vom Fall des passiven Zwangs mit Sperrung der Bewegung unterscheiden. In Summe ergibt sich ein Stillstand (setzt „perfektes“ Gleichgewicht voraus). Bei der Auf-und-Ab-Bewegung prägt der Zwang eine entgegengesetzte Ab-und-Auf-Bewegung ein. Dieser Fall tritt nur in der Theorie auf. In einer Anwendung lässt sich nie genau eine „perfekte“ Gegenbewegung einprägen. Allerdings zeigt dieser Fall mit diesem Extrem sehr gut, dass Stillstand nicht unbedingt etwas mit anhalten zu tun haben muss. Es kann sich auch um ein Kräftegleichgewicht handeln.

In der folgenden Abbildung wird zur Vereinfachung nur die isolierte Perspektive dargestellt.

 

DE_Zwang_eines_Punktes_13

 

Zusammenfassung

Die Überlagerung von äußeren Zwangen zwingt zu verschiedenen Fallbetrachtungen. Der Zwang kann passiv mit reiner Kraft wirken oder aktiv auf die innere Bewegung einwirken. Trotzdem ist von außen immer nur die Summe der Kräfte sichtbar. Äußere Beobachter können die inneren Bewegungen somit nicht völlig nachvollziehen. Es lässt sich nicht direkt erkennen, welche Bewegungen überlagert werden.

Diese Unterschiede können nur Teilnehmer ohne Überlastung der Bewegung erkennen (eigene Wirkung kennen und aus Summe herausnehmen). Bei einer Überlastung der Wahrnehmung steht dieser Weg nur offen, wenn nach dem Ablauf die Zeit bleibt, um die wahrgenommenen Sensorinformationen „nachzuverarbeiten“. Eine andere Möglichkeit ist aktive Instruktion (siehe Wagenhebereffekt). Sie erschwert durch die Mehrdeutigkeit aber eigenes Erkennen. Als letzte Möglichkeit steht der Weg der Bewegungs(-re-)konstruktion offen. Dabei werden aber nur bedingt die gleichen Ergebnisse erzielt.

Diese Summe aus äußeren und inneren Bewegungen stellt eines der schwierigsten Bewegungsprobleme dar. Es besteht immer eine große Gefahr, dass bei der Weitergabe von Bewegungen über mehrere Generationen diese Überlagerungen durch die Mehrdeutigkeit verloren gehen oder umgedeutet werden.

Mehrdeutigkeiten

Passiver Zwang <-> aktiver Zwang

Innere Bewegung ohne Zwang <-> innere Bewegung + aktiver Zwang mit gleich/ entgegengesetzter Bewegung

 

Nutzung

Dieser Zusammenhang kann genutzt werden, um Trainingsäquivalente zu entwerfen. Statt eines sich bewegenden und einwirkenden Partners kann an still stehenden Hindernissen trainiert werden. Es spielt dann keine Rolle, dass das Hindernis nicht aktiv Zwang ausübt.

Ein Beispiel dafür ist das Training an Holzpuppen. Diese haben in weiten Bereichen einen größeren Widerstand, als ein Schüler mit Kraft überwinden kann. Sie stellen beim Aufeinandertreffen mit eigenen Bewegungen einen passiven Zwang dar, welcher zum Entwerfen und Überprüfen eigener Bewegungen genutzt werden kann.

Der Artikel wurde am 21. Juni 2015 unter der Kategorie Wissen (in Überarbeitung) veröffentlicht.